Judith
Kapitel 1
1 Im zwölften Jahr der Herrschaft
Nebukadnezars, der über die Assyrer in der großen Stadt Ninive König war, in
den Tagen Arphaxads, der über die Meder in Ekbatana König war,
2 und der um Ekbatana ringsum Mauern aus
behauenen Steinen von drei Ellen Breite und sechs Ellen Länge erbaute und die
Höhe der Mauer auf siebzig Ellen und ihre Breite auf fünfzig Ellen machte
3 und ihre Türme an ihren Toren hundert Ellen
hoch errichtete und ihre Breite auf sechzig Ellen gründete
4 und ihre Tore machte, Tore, die sich zu einer
Höhe von siebzig Ellen erhoben, und deren Breite vierzig Ellen betrug, für den
Auszug seiner mächtigen Streitkräfte und die Aufstellung seines Fußvolks
5 da führte in jenen Tagen der König
Nebukadnezar Krieg gegen den König Arphaxad in der großen Ebene, das ist die
Ebene im Gebiet von Ragau.
6 Und es stießen zu ihm alle Bewohner des
Berglandes und alle, die am Euphrat und am Tigris und am Hydaspes und in den
Ebenen Ariochs, des Königs der Elymäer, wohnten, und viele Völker kamen
zusammen zur Schlachtreihe der Söhne Cheleuds.
7 Und Nebukadnezar, der König der Assyrer,
sandte zu allen Bewohnern Persiens und zu allen, die im Westen wohnten, den
Bewohnern Kilikiens und von Damaskus und des Libanon und Antilibanon, und zu
allen, die an der Meeresküste wohnten,
8 und zu denen in den Völkern des Karmel und
Gilead und im oberen Galiläa und in der großen Ebene Jesreel
9 und zu allen in Samaria und seinen Städten
und jenseits des Jordan bis Jerusalem und Batane und Chelus und Kadesch und dem
Fluss Ägyptens und Tachpanhes und Ramses und dem ganzen Land Gosen
10 bis hin nach Tanis und Memphis, und zu allen
Bewohnern Ägyptens bis an die Grenzen Äthiopiens.
11 Aber alle Bewohner des ganzen Landes
verachteten das Wort Nebukadnezars, des Königs der Assyrer, und zogen nicht mit
ihm in den Krieg, denn sie fürchteten ihn nicht, sondern er galt ihnen wie ein
einzelner Mann, und sie schickten seine Boten mit leeren Händen und mit Schande
vor ihrem Angesicht zurück.
12 Da entbrannte Nebukadnezar in heftigem Zorn
über dieses ganze Land und schwor bei seinem Thron und seinem Königreich, dass
er sich gewiss an dem ganzen Gebiet Kilikiens und von Damaskus und Syrien
rächen und sie mit seinem Schwert töten werde, dazu alle Bewohner des Landes
Moab und die Söhne Ammons und ganz Judäa und alle in Ägypten bis hin zu den
Grenzen der beiden Meere.
13 Und er stellte sich mit seiner Streitmacht
gegen den König Arphaxad im siebzehnten Jahr auf und siegte in seinem Krieg und
schlug die ganze Streitmacht Arphaxads und seine gesamte Reiterei und alle
seine Streitwagen zurück
14 und bemächtigte sich seiner Städte und
gelangte bis Ekbatana und nahm die Türme ein und plünderte seine Straßen und
machte seinen Schmuck zu seiner Schande.
15 Und er ergriff Arphaxad in den Bergen von
Ragau und durchbohrte ihn mit seinen Spießen und vernichtete ihn bis auf diesen
Tag.
16 Und er kehrte mit ihnen zurück, er und sein
ganzes gemischtes Heer, eine überaus große Menge von Kriegsleuten, und er blieb
dort, sich der Ruhe hingebend und schmausend, er und seine Streitmacht,
hundertzwanzig Tage lang.
Kapitel 2
1 Und im achtzehnten Jahr, am
zweiundzwanzigsten Tag des ersten Monats, erging im Hause Nebukadnezars, des
Königs der Assyrer, das Wort, an der ganzen Erde Rache zu nehmen, wie er es
gesagt hatte.
2 Und er rief alle seine Diener und alle seine
Großen zusammen und legte ihnen das Geheimnis seines Ratschlusses vor und
beschloss mit seinem eigenen Munde alles Unheil über die Erde.
3 Und sie befanden, alles Fleisch zu
vernichten, das dem Wort seines Mundes nicht gefolgt war.
4 Und es geschah, als er seinen Ratschluss
vollendet hatte, rief Nebukadnezar, der König der Assyrer, den Holofernes, den
obersten Feldherrn seiner Streitmacht, der der Zweite nach ihm war, und sprach
zu ihm:
5 So spricht der große König, der Herr der
ganzen Erde: Siehe, du sollst ausziehen von meinem Angesicht und mit dir Männer
nehmen, die auf ihre Stärke vertrauen, an Fußvolk hundertzwanzigtausend und
eine Menge Pferde samt Reitern, zwölftausend,
6 und du sollst ausziehen gegen das ganze Land
im Westen, weil sie dem Wort meines Mundes ungehorsam gewesen sind.
7 Und du sollst ihnen ankündigen, Erde und
Wasser bereitzuhalten; denn ich werde in meinem Zorn gegen sie ausziehen und
das ganze Angesicht der Erde mit den Füßen meiner Streitmacht bedecken und sie
ihnen zur Plünderung preisgeben.
8 Und ihre Erschlagenen werden ihre Schluchten
füllen, und jeder Bach und Fluss wird, überströmend, mit ihren Toten gefüllt
werden.
9 Und ich werde ihre Gefangenen bis an die
Enden der ganzen Erde führen.
10 Du aber sollst ausziehen und mir ihr ganzes
Gebiet vorweg einnehmen; und sie werden sich dir ergeben, und du sollst sie mir
aufbewahren bis zum Tag ihrer Bestrafung.
11 Über die Ungehorsamen aber soll dein Auge
nicht schonen, sie dem Mord und der Plünderung preiszugeben in deinem ganzen
Land.
12 Denn so wahr ich lebe und die Macht meines
Königtums: Ich habe gesprochen und werde dies mit meiner Hand vollbringen.
13 Und du sollst kein einziges der Worte deines
Herrn übertreten, sondern gewiss vollbringen, wie ich dir befohlen habe, und
nicht säumen, es zu tun.
14 Und Holofernes ging hinaus vom Angesicht
seines Herrn und rief alle Machthaber und die Feldherren und die Befehlshaber
der Streitmacht Assurs
15 und musterte auserlesene Männer zur
Schlachtordnung, wie sein Herr ihm befohlen hatte, hundertzwanzigtausend, und
zwölftausend berittene Bogenschützen,
16 und ordnete sie, wie man eine Kriegsschar
aufstellt.
17 Und er nahm Kamele und Esel und Maultiere
für ihr Gepäck, eine sehr große Menge, und Schafe und Rinder und Ziegen für
ihre Verpflegung, ohne Zahl,
18 und Proviant für jeden Mann in Fülle und
sehr viel Gold und Silber aus dem Haus des Königs.
19 Und er zog aus, er und seine ganze
Streitmacht, auf den Marsch, um dem König Nebukadnezar voranzuziehen und das
ganze Angesicht der Erde im Westen zu bedecken mit ihren Wagen und Reitern und
auserlesenem Fußvolk.
20 Und ein großes gemischtes Volk zog mit ihnen
aus wie Heuschrecken und wie der Sand der Erde; denn ihre Menge war ohne Zahl.
21 Und sie zogen von Ninive drei Tagereisen
weit bis vor die Ebene Bektileth und lagerten sich von Bektileth aus nahe dem
Gebirge, das links vom oberen Kilikien liegt.
22 Und er nahm seine ganze Streitmacht, das
Fußvolk und die Reiter und seine Wagen, und zog von dort ins Bergland.
23 Und er schlug Phud und Lud nieder und
plünderte alle Söhne von Rassis und die Söhne Ismaels, die vor der Wüste
südlich von Cheleon wohnen.
24 Und er überschritt den Euphrat und durchzog
Mesopotamien und zerstörte alle befestigten Städte am Bach Abrona bis hin zum
Meer.
25 Und er nahm das Gebiet Kilikiens ein und
schlug alle nieder, die ihm widerstanden, und kam bis an die Grenzen Japheths
im Süden, gegenüber Arabien.
26 Und er umzingelte alle Söhne Midians und
verbrannte ihre Zelte und plünderte ihre Hürden.
27 Und er zog hinab in die Ebene von Damaskus
zur Zeit der Weizenernte und verbrannte alle ihre Felder und gab ihre Schaf-
und Rinderherden der Vernichtung preis und plünderte ihre Städte und verwüstete
ihre Ebenen und erschlug alle ihre jungen Männer mit der Schärfe des Schwertes.
28 Und Furcht und Schrecken vor ihm fiel auf
die Bewohner der Küste, die in Sidon und Tyrus waren, und auf die Bewohner von
Sur und Okina und alle Bewohner von Jemnaan; und die Bewohner von Asdod und
Askalon fürchteten ihn sehr.
Kapitel 3
1 Und sie sandten Boten zu ihm mit friedlichen
Worten und sprachen:
2 Siehe, wir, die Knechte Nebukadnezars, des
großen Königs, liegen vor dir; verfahre mit uns, wie es deinem Angesicht
gefällt.
3 Siehe, unsere Gehöfte und all unser Gebiet
und jedes Weizenfeld und die Schafherden und die Rinderherden und alle Hürden
unserer Zelte liegen vor deinem Angesicht; verfahre damit, wie es dir gefällt.
4 Siehe, auch unsere Städte und ihre Bewohner
sind deine Knechte; komm und begegne ihnen, wie es gut ist in deinen Augen.
5 Und die Männer kamen zu Holofernes und
berichteten ihm gemäß diesen Worten.
6 Und er zog hinab an die Küste, er und seine
Streitmacht, und legte Besatzungen in die hochgelegenen Städte und nahm aus
ihnen auserlesene Männer zur Heeresfolge.
7 Und sie nahmen ihn auf, sie und ihre ganze
Umgegend, mit Kränzen und Reigentänzen und Pauken.
8 Und er zerstörte alle ihre Grenzheiligtümer
und hieb ihre heiligen Haine um; und es war ihm aufgetragen, alle Götter des
Landes auszurotten, damit alle Völker Nebukadnezar allein dienten und alle ihre
Zungen und Stämme ihn als Gott anriefen.
9 Und er kam vor Esdrelon in die Nähe von
Dotaia, das gegenüber dem großen Gebirgskamm Judäas liegt,
10 und sie lagerten zwischen Gaibai und der
Skythenstadt, und er blieb dort einen Monat lang, um den ganzen Tross seiner
Streitmacht zu sammeln.
Kapitel 4
1 Und die Söhne Israels, die in Judäa wohnten,
hörten alles, was Holofernes, der Oberfeldherr Nebukadnezars, des Königs der
Assyrer, den Völkern angetan hatte, und wie er alle ihre Heiligtümer geplündert
und sie der Vernichtung preisgegeben hatte,
2 und sie fürchteten sich über die Maßen vor
ihm und gerieten um Jerusalem und den Tempel des Herrn, ihres Gottes, in
Bestürzung.
3 Denn sie waren erst kürzlich aus der
Gefangenschaft heraufgezogen, und erst vor kurzem hatte sich das ganze Volk
Judäas versammelt, und die Geräte, der Altar und das Haus waren nach der
Entweihung wieder geheiligt worden.
4 Und sie sandten in das ganze Gebiet von
Samaria und nach Kona, Bethoron, Belmain, Jericho, nach Choba, Aisora und in
das Tal von Salem
5 und besetzten im Voraus alle Gipfel der hohen
Berge, befestigten die Dörfer auf ihnen mit Mauern und legten Vorräte an zur
Vorbereitung auf den Krieg, denn ihre Felder waren erst kürzlich abgeerntet
worden.
6 Und Jojakim, der Hohepriester, der in jenen
Tagen in Jerusalem war, schrieb an die Bewohner von Betulia und Betomesthaim,
das gegenüber Esdrelon liegt, angesichts der Ebene bei Dothaim,
7 und sagte ihnen, sie sollten die Aufstiege
des Berglandes besetzt halten, denn durch sie führte der Zugang nach Judäa, und
es war leicht, die Heranrückenden abzuwehren, da der Aufstieg so eng war, dass
höchstens zwei Männer nebeneinander gehen konnten.
8 Und die Söhne Israels taten, wie ihnen
Jojakim, der Hohepriester, und der Ältestenrat des ganzen Volkes Israel, die in
Jerusalem saßen, geboten hatten.
9 Und jeder Mann Israels schrie zu Gott mit
großer Inbrunst, und sie demütigten ihre Seelen mit großer Inbrunst.
10 Sie und ihre Frauen und ihre Kinder und ihr
Vieh und jeder Fremdling, Tagelöhner und gekaufte Sklave bei ihnen legten Säcke
um ihre Hüften.
11 Und jeder Mann Israels und jede Frau und die
Kinder, die in Jerusalem wohnten, fielen nieder vor dem Tempel, streuten Asche
auf ihre Häupter und breiteten ihre Säcke aus vor dem Angesicht des Herrn;
12 und den Altar umhüllten sie mit einem Sack
und schrien einmütig und inständig zum Gott Israels, er möge ihre Kinder nicht
der Plünderung preisgeben, noch ihre Frauen dem Raub, noch die Städte ihres
Erbteils der Vernichtung, noch das Heiligtum der Entweihung und der Schmach zum
Gespött für die Völker.
13 Und der Herr erhörte ihre Stimme und sah
ihre Bedrängnis an; und das Volk fastete viele Tage in ganz Judäa und Jerusalem
vor dem Heiligtum des Herrn, des Allmächtigen.
14 Und Jojakim, der Hohepriester, und alle
Priester, die vor dem Herrn standen, und die dem Herrn dienten, brachten, mit
Säcken um ihre Hüften gegürtet, das beständige Brandopfer dar sowie die Gelübde
und die freiwilligen Gaben des Volkes,
15 und Asche war auf ihren Kopfbinden, und sie
schrien mit aller Kraft zum Herrn, er möge das ganze Haus Israel gnädig
heimsuchen.
Kapitel 5
1 Und es wurde Holofernes, dem Obersten
Heerführer der Streitmacht Assurs, gemeldet, dass die Söhne Israels sich zum
Krieg gerüstet und die Pässe des Berglandes verschlossen und jeden Gipfel eines
hohen Berges befestigt und in den Ebenen Hindernisse gelegt hatten.
2 Und er ergrimmte sehr im Zorn und rief alle
Fürsten Moabs und die Heerführer Ammons und alle Satrapen des Küstenlandes
3 und sprach zu ihnen: Verkündet mir doch, ihr
Söhne Kanaans, wer dieses Volk ist, das im Bergland wohnt, und welches die
Städte sind, die sie bewohnen, und die Größe ihrer Streitmacht, und worin ihre
Macht und ihre Stärke besteht, und wer als König über ihnen aufgestanden ist,
als Anführer ihres Heeres,
4 und warum sie es verschmäht haben, mir
entgegenzukommen, im Unterschied zu allen Bewohnern des Westens.
5 Da sprach zu ihm Achior, der Anführer aller
Söhne Ammons: Es höre doch mein Herr ein Wort aus dem Munde deines Knechtes,
und ich will dir die Wahrheit verkünden über dieses Volk, das dieses Bergland
bewohnt, nahe bei dir, der du hier weilst; und keine Lüge wird aus dem Munde
deines Knechtes hervorgehen.
6 Dieses Volk sind Nachkommen der Chaldäer.
7 Und sie wohnten zuvor als Fremdlinge in
Mesopotamien, weil sie den Göttern ihrer Väter, die im Lande der Chaldäer
waren, nicht folgen wollten;
8 und sie wichen ab vom Wege ihrer Eltern und
beteten den Gott des Himmels an, den Gott, den sie erkannt hatten; und man
vertrieb sie vom Angesicht ihrer Götter, und sie flohen nach Mesopotamien und
wohnten dort viele Tage.
9 Und ihr Gott sprach, sie sollten aus ihrer
Fremde ausziehen und in das Land Kanaan gehen; und sie wohnten dort und wurden
reich an Gold und Silber und an sehr viel Vieh.
10 Und sie zogen hinab nach Ägypten, denn eine
Hungersnot bedeckte das Angesicht des Landes Kanaan, und sie wohnten dort als
Fremdlinge, solange sie ernährt wurden; und sie wurden dort zu einer großen
Menge, und ihr Geschlecht war ohne Zahl.
11 Und der König Ägyptens erhob sich gegen sie
und überlistete sie mit Mühsal und Ziegelarbeit; man demütigte sie und machte
sie zu Sklaven.
12 Und sie schrien zu ihrem Gott, und er schlug
das ganze Land Ägypten mit Plagen, für die es keine Heilung gab; und die
Ägypter vertrieben sie von ihrem Angesicht.
13 Und Gott trocknete das Rote Meer vor ihnen
aus
14 und führte sie auf den Weg zum Sinai und
nach Kadesch-Barnea; und sie vertrieben alle Bewohner der Wüste
15 und wohnten im Land der Amoriter und
rotteten alle Hesboniter durch ihre Stärke aus. Und sie überschritten den
Jordan und nahmen das ganze Bergland in Besitz
16 und vertrieben vor ihrem Angesicht den
Kanaaniter und den Pheresiter und den Jebusiter und Sichem und alle
Girgaschiter und wohnten darin viele Tage.
17 Und solange sie nicht sündigten vor ihrem
Gott, war das Gute mit ihnen; denn ein Gott, der Unrecht hasst, ist mit ihnen.
18 Als sie aber abfielen von dem Weg, den er
ihnen verordnet hatte, wurden sie in vielen Kriegen gar sehr vernichtet und in
ein fremdes Land gefangen weggeführt, und der Tempel ihres Gottes wurde dem
Erdboden gleichgemacht, und ihre Städte wurden von den Feinden erobert.
19 Und nun sind sie, zu ihrem Gott umgekehrt,
aus der Zerstreuung heraufgezogen, wohin sie zerstreut worden waren, und haben
Jerusalem eingenommen, wo ihr Heiligtum ist, und haben sich im Bergland
niedergelassen, weil es verödet war.
20 Und nun, Gebieter und Herr: Wenn ein
Vergehen in diesem Volk ist und sie gegen ihren Gott sündigen, dann wollen wir
prüfen, dass dieser Anstoß unter ihnen ist, und wir werden hinaufziehen und sie
bekriegen.
21 Wenn aber keine Gesetzlosigkeit in ihrem
Volk ist, so möge mein Herr doch vorüberziehen, damit nicht ihr Herr und ihr
Gott sie beschirme und wir zum Gespött werden vor der ganzen Erde.
22 Und es geschah, als Achior aufgehört hatte,
diese Worte zu reden, da murrte das ganze Volk, das das Zelt umringte und
ringsum stand, und die Großen des Holofernes und alle Bewohner des Küstenlandes
und Moabs sprachen, man solle ihn niederhauen:
23 Denn wir werden uns nicht fürchten vor den
Söhnen Israels; siehe, es ist ein Volk, in dem weder Kraft noch Macht zu
starker Schlachtordnung ist.
24 Darum wollen wir hinaufziehen, und sie
werden ein Fraß für dein ganzes Heer sein, Gebieter Holofernes.
Kapitel 6
1 Und als sich der Lärm der Männer, die rings
um die Versammlung standen, gelegt hatte, sprach Holofernes, der
Oberbefehlshaber des Heeres Assurs, zu Achior vor dem ganzen Volk der
Fremdstämmigen und zu allen Söhnen Moabs:
2 Wer bist du denn, Achior, und ihr Söldner
Efraims, dass du unter uns geweissagt hast wie heute und gesagt hast, man solle
das Geschlecht Israels nicht bekriegen, weil ihr Gott sie beschirmen werde? Und
wer ist Gott, wenn nicht Nebukadnezar? Dieser wird seine Macht aussenden und
sie vom Angesicht der Erde vertilgen, und ihr Gott wird sie nicht erretten.
3 Wir aber, seine Knechte, werden sie schlagen
wie einen einzigen Mann, und sie werden der Macht unserer Rosse nicht
standhalten.
4 Denn wir werden sie in ihrem Land verbrennen,
und ihre Berge werden von ihrem Blut trunken werden, und ihre Ebenen werden
sich mit ihren Toten füllen, und die Spur ihrer Füße wird vor unserem Angesicht
nicht bestehen, sondern sie werden gänzlich zugrunde gehen, spricht der König
Nebukadnezar, der Herr der ganzen Erde; denn er hat gesprochen, und die Worte
seiner Reden werden nicht vergeblich sein.
5 Du aber, Achior, Söldner Ammons, der du diese
Worte am Tag deiner Ungerechtigkeit geredet hast, du wirst mein Angesicht von
diesem Tag an nicht mehr sehen, bis ich das Geschlecht derer aus Ägypten
gestraft habe.
6 Und dann wird das Eisen meines Heeres und das
Volk meiner Diener deine Seiten durchbohren, und du wirst unter ihren
Erschlagenen fallen, wenn ich zurückkehre.
7 Und meine Knechte werden dich in das Bergland
bringen und dich in eine der Städte an den Aufstiegen setzen,
8 und du wirst nicht umkommen, bis du mit ihnen
vertilgt wirst.
9 Und wenn du in deinem Herzen hoffst, dass sie
nicht eingenommen werden, so lass dein Angesicht nicht sinken; ich habe
gesprochen, und keines meiner Worte wird hinfällig werden.
10 Und Holofernes befahl seinen Knechten, die
in seinem Zelt bereitstanden, Achior zu ergreifen und ihn nach Betulia zu
bringen und ihn in die Hände der Söhne Israels zu überliefern.
11 Und seine Knechte ergriffen ihn und führten
ihn hinaus aus dem Lager in die Ebene und zogen aus der Mitte des Flachlandes
in das Bergland und kamen zu den Quellen, die unterhalb von Betulia waren.
12 Und als die Männer der Stadt sie auf dem
Gipfel des Berges erblickten, ergriffen sie ihre Waffen und gingen aus der
Stadt hinaus auf den Gipfel des Berges, und alle Schleuderer besetzten ihren
Aufstieg und warfen mit Steinen auf sie.
13 Und sie schlichen sich unterhalb des Berges
heran, banden Achior und ließen ihn am Fuß des Berges hingeworfen liegen und
gingen zu ihrem Herrn zurück.
14 Die Söhne Israels aber stiegen aus ihrer
Stadt herab, traten zu ihm, banden ihn los, führten ihn nach Betulia und
stellten ihn vor die Obersten ihrer Stadt,
15 die in jenen Tagen waren: Usija, der Sohn
Michas, aus dem Stamm Simeon, und Chabris, der Sohn Gotoniëls, und Charmis, der
Sohn Melchiëls.
16 Und sie riefen alle Ältesten der Stadt
zusammen, und alle ihre jungen Männer und die Frauen liefen zur Versammlung
zusammen, und sie stellten Achior mitten unter ihr ganzes Volk, und Usija
befragte ihn über das Geschehene.
17 Und er antwortete und berichtete ihnen die
Worte der Ratsversammlung des Holofernes und alle Worte, die er inmitten der
Obersten der Söhne Assurs geredet hatte, und alles, was Holofernes gegen das
Haus Israel großgesprochen hatte.
18 Und das Volk fiel nieder und betete Gott an
und rief laut und sprach:
19 Herr, Gott des Himmels, sieh herab auf ihren
Hochmut und erbarme dich der Niedrigkeit unseres Geschlechts und blicke auf das
Angesicht derer, die dir an diesem Tag geheiligt sind.
20 Und sie trösteten Achior und lobten ihn
sehr,
2 1und Usija nahm ihn aus der Versammlung mit
in sein Haus und gab den Ältesten ein Gastmahl, und sie riefen den Gott Israels
die ganze jene Nacht hindurch um Hilfe an.
Kapitel 7
1 Am folgenden Tag befahl Holofernes seinem
ganzen Heer und seinem ganzen Volk, das zu seiner Unterstützung gekommen war,
gegen Betulia aufzubrechen, die Aufstiege des Berglandes vorher zu besetzen und
Krieg gegen die Söhne Israels zu führen.
2 Und an jenem Tag brach jeder wehrfähige Mann
von ihnen auf; und ihre Streitmacht an Kriegsleuten betrug
hundertsiebzigtausend Fußsoldaten und zwölftausend Reiter, ohne den Tross und
die Männer, die zu Fuß bei ihnen waren – eine sehr große Menge.
3 Und sie lagerten sich in der Talebene nahe
bei Betulia an der Quelle und dehnten sich in der Breite über Dothaim bis
Belbaim aus und in der Länge von Betulia bis Kyamon, das gegenüber von Esdrelon
liegt.
4 Als aber die Söhne Israels ihre Menge sahen,
gerieten sie in große Bestürzung, und jeder sagte zu seinem Nächsten: Jetzt
werden diese die Oberfläche der ganzen Erde ablecken, und weder die hohen Berge
noch die Schluchten noch die Hügel werden ihrer Last standhalten.
5 Und jeder nahm seine Kriegsgeräte auf, und
sie zündeten Feuer auf ihren Türmen an und blieben jene ganze Nacht wachend.
6 Am zweiten Tag aber führte Holofernes seine
ganze Reiterei vor die Söhne Israels, die in Betulia waren,
7 und er erkundete die Aufstiege zu ihrer
Stadt, suchte die Wasserquellen auf, besetzte sie und stellte Wachtposten von
Kriegsleuten bei ihnen auf, und er selbst kehrte zu seinem Volk zurück.
8 Und alle Fürsten der Söhne Esaus und alle
Anführer des Volkes Moab und die Befehlshaber der Küste traten zu ihm und
sprachen:
9 Unser Herr möge doch ein Wort anhören, damit
kein Verlust in deiner Streitmacht entstehe.
10 Denn dieses Volk der Söhne Israels vertraut
nicht auf seine Speere, sondern auf die Höhen der Berge, auf denen sie wohnen;
denn es ist nicht leicht, zu den Gipfeln ihrer Berge hinaufzusteigen.
11 Und nun, Herr, führe nicht Krieg gegen sie,
wie man eine Feldschlacht führt, dann wird kein einziger Mann aus deinem Volk
fallen.
12 Bleibe in deinem Lager und bewahre jeden
Mann deiner Streitmacht, und deine Knechte sollen sich der Wasserquelle
bemächtigen, die aus dem Fuß des Berges hervorquillt,
13 denn von dort holen alle Bewohner Betulias
ihr Wasser, und der Durst wird sie umbringen, und sie werden ihre Stadt
übergeben. Und wir und unser Volk werden auf die nahen Berggipfel hinaufsteigen
und uns dort als Vorposten lagern, damit kein einziger Mann aus der Stadt
herauskommt.
14 Und sie werden vor Hunger dahinschmelzen,
sie und ihre Frauen und ihre Kinder, und ehe das Schwert über sie kommt, werden
sie auf den Straßen ihrer Wohnstätte hingestreckt liegen.
15 Und du wirst ihnen böse Vergeltung
heimzahlen dafür, dass sie sich empört haben und dir nicht in Frieden
entgegengekommen sind.
16 Und ihre Worte gefielen Holofernes und allen
seinen Dienern, und er befahl, zu tun, wie sie geredet hatten.
17 Und das Lager der Söhne Ammons brach auf und
mit ihnen fünftausend von den Söhnen Assurs, und sie lagerten sich in der
Talebene und besetzten die Wasser und die Wasserquellen der Söhne Israels.
18 Und die Söhne Esaus und die Söhne Ammons
stiegen hinauf und lagerten sich im Bergland gegenüber Dothaim. Und sie
schickten von den Ihren nach Süden und Osten gegenüber Egrebel, das bei Chus
liegt, das am Bach Mochmur liegt. Und das übrige Heer der Assyrer lagerte sich
in der Ebene und bedeckte die ganze Oberfläche des Landes, und ihre Zelte und
ihr Tross lagerten in großer Menge, und sie waren eine überaus große Menge.
19 Und die Söhne Israels schrien zum Herrn,
ihrem Gott, denn ihr Geist war verzagt, weil alle ihre Feinde sie umzingelt
hatten und es kein Entkommen aus ihrer Mitte gab.
20 Und das ganze Lager Assurs, die Fußsoldaten
und Wagen und ihre Reiter, blieb vierunddreißig Tage rings um sie her. Und
allen Bewohnern Betulias gingen alle ihre Wassergefäße aus,
21 und die Zisternen wurden leer, und sie
hatten nicht einen einzigen Tag Wasser zur Sättigung zu trinken, denn man gab
ihnen abgemessen zu trinken.
22 Und ihre kleinen Kinder verzagten, und die
Frauen und die jungen Männer verschmachteten vor Durst und fielen auf den
Straßen der Stadt und in den Durchgängen der Tore, und es war keine Kraft mehr
in ihnen.
23 Und das ganze Volk versammelte sich bei
Usija und den Fürsten der Stadt, die jungen Männer und die Frauen und die
Kinder, und sie schrien mit lauter Stimme und sprachen vor allen Ältesten:
24 Gott richte zwischen euch und uns, denn ihr
habt großes Unrecht an uns getan, dass ihr nicht friedlich mit den Söhnen
Assurs geredet habt.
25 Und nun gibt es keinen Helfer für uns,
sondern Gott hat uns in ihre Hände verkauft, damit wir vor ihnen hingestreckt
werden in Durst und großem Verderben.
26 Und nun ruft sie herbei und übergebt die
ganze Stadt zur Plünderung dem Volk des Holofernes und seiner ganzen
Streitmacht.
27 Denn es ist besser für uns, ihnen zur Beute
zu werden; wir werden nämlich zu Sklaven werden, aber unser Leben wird am Leben
bleiben, und wir werden nicht den Tod unserer kleinen Kinder mit eigenen Augen
sehen und nicht, wie unsere Frauen und Kinder ihr Leben aushauchen.
28 Wir rufen den Himmel und die Erde zu Zeugen
gegen euch an und unseren Gott und Herrn unserer Väter, der uns straft nach
unseren Sünden und nach den Verfehlungen unserer Väter, damit er nicht am
heutigen Tag nach diesen Worten handle.
29 Und es entstand ein großes Weinen inmitten
der Versammlung, bei allen einmütig, und sie schrien zum Herrn, dem Gott, mit
lauter Stimme. —
30 Und Usija sprach zu ihnen: Fasst Mut,
Brüder, lasst uns noch fünf Tage ausharren, in denen der Herr, unser Gott, sein
Erbarmen uns wieder zuwenden wird; denn er wird uns nicht bis zum Ende
verlassen.
31 Wenn aber diese Tage vergehen und keine
Hilfe zu uns kommt, dann werde ich nach euren Worten handeln.
32 Und er zerstreute das Volk, einen jeden an
seinen Posten, und sie gingen auf die Mauern und Türme ihrer Stadt und
schickten die Frauen und Kinder in ihre Häuser; und sie waren in großer
Bedrängnis in der Stadt.
Kapitel 8
1 Und in jenen Tagen hörte davon Judith, die
Tochter Meraris, des Sohnes des Ox, des Sohnes Josephs, des Sohnes Oziels, des
Sohnes Elkias, des Sohnes Ananias', des Sohnes Gideons, des Sohnes Raphains,
des Sohnes Achitobs, des Sohnes Elias', des Sohnes Chelkias', des Sohnes Eliabs,
des Sohnes Nathanaels, des Sohnes Salamiels, des Sohnes Sarasadais, des Sohnes
Israels.
2 Und ihr Mann Manasse war aus ihrem Stamm und
aus ihrer Sippe; und er starb in den Tagen der Gerstenernte.
3 Denn er stand bei denen, die auf dem Felde
die Garben banden, und die Sonnenglut kam über sein Haupt, und er fiel auf sein
Lager und starb in Betulia, seiner Stadt, und man begrub ihn bei seinen Vätern
auf dem Felde zwischen Dothaim und Balamon.
4 Und Judith lebte als Witwe in ihrem Hause
drei Jahre und vier Monate.
5 Und sie machte sich ein Zelt auf dem Dach
ihres Hauses und legte einen Sack um ihre Lenden, und die Kleider ihrer
Witwenschaft waren an ihr.
6 Und sie fastete alle Tage ihrer Witwenschaft
außer an den Vorsabbaten und Sabbaten, den Vorneumonden und Neumonden und den
Festen und Freudentagen des Hauses Israel.
7 Und sie war schön von Gestalt und überaus
anmutig anzusehen; und Manasse, ihr Mann, hatte ihr Gold und Silber, Knechte
und Mägde, Vieh und Äcker hinterlassen, und sie blieb darauf.
8 Und es gab niemanden, der ein böses Wort über
sie vorbrachte, denn sie fürchtete Gott sehr.
9 Und sie hörte die bösen Worte des Volkes
gegen den Vorsteher, weil sie beim Mangel an Wasser kleinmütig geworden waren,
und sie hörte alle Worte, die Ozias zu ihnen geredet hatte, wie er ihnen
geschworen hatte, die Stadt nach fünf Tagen den Assyrern zu übergeben.
10 Und sie sandte ihre Magd, die über all ihren
Besitz gesetzt war, und rief Chabris und Charmis, die Ältesten ihrer Stadt.
11 Und sie kamen zu ihr, und sie sprach zu
ihnen: Hört mich doch, ihr Vorsteher der Bewohner von Betulia! Denn euer Wort
ist nicht recht, das ihr an diesem Tage vor dem Volke geredet habt, und ihr
habt diesen Eid aufgerichtet, den ihr zwischen Gott und euch gesprochen habt,
und gesagt, ihr würdet die Stadt unseren Feinden ausliefern, wenn nicht in
diesen Tagen der Herr euch Hilfe zuwendet.
12 Und nun, wer seid ihr, dass ihr Gott am
heutigen Tage versucht habt und euch an Gottes Stelle mitten unter die
Menschenkinder stellt?
13 Und nun erforscht ihr den Herrn, den
Allmächtigen, und werdet doch in Ewigkeit nichts erkennen.
14 Denn die Tiefe des Menschenherzens werdet
ihr nicht ergründen und die Gedanken seines Sinnes nicht erfassen; und wie
wollt ihr Gott, der dies alles gemacht hat, erforschen und seinen Sinn erkennen
und seinen Ratschluss begreifen? Keineswegs, Brüder, erzürnt nicht den Herrn,
unseren Gott!
15 Denn wenn er nicht in den fünf Tagen uns
helfen will, so hat er die Macht, an den Tagen, an denen er will, uns zu
beschirmen oder auch uns vor dem Angesicht unserer Feinde zu vernichten.
16 Ihr aber, verpfändet nicht die Ratschlüsse
des Herrn, unseres Gottes; denn Gott ist nicht wie ein Mensch, dass man ihm
drohen könnte, noch wie ein Menschensohn, dass man mit ihm rechten könnte.
17 Darum lasst uns, indem wir auf die Rettung
von ihm harren, ihn zu unserer Hilfe anrufen, und er wird unsere Stimme
erhören, wenn es ihm wohlgefällt.
18 Denn es ist in unseren Geschlechtern nicht
aufgestanden und ist auch am heutigen Tage weder Stamm noch Sippe noch Gemeinde
noch Stadt unter uns, die handgemachte Götter anbeten, wie es in früheren Tagen
geschah,
19 um derentwillen unsere Väter dem Schwert und
der Plünderung preisgegeben wurden und als große Niederlage vor unseren Feinden
fielen.
20 Wir aber kennen keinen anderen Gott außer
ihm; darum hoffen wir, dass er uns nicht übersehen wird noch jemanden aus
unserem Geschlecht.
21 Denn wenn wir eingenommen werden, so wird
auch ganz Judäa eingenommen und unser Heiligtum geplündert werden, und er wird
die Entweihung desselben von unserem Blut fordern,
22 und den Mord an unseren Brüdern und die
Gefangenschaft des Landes und die Verwüstung unseres Erbes wird er auf unser
Haupt zurückwenden unter den Völkern, wo immer wir dienen werden, und wir
werden zum Anstoß und zur Schmach vor denen, die uns erwerben.
23 Denn unsere Knechtschaft wird nicht zur
Gunst geraten, sondern der Herr, unser Gott, wird sie zur Schande machen.
24 Und nun, Brüder, lasst uns unseren Brüdern
zeigen, dass an uns ihr Leben hängt und dass das Heiligtum und das Haus und der
Altar auf uns ruhen.
25 Bei alledem lasst uns dem Herrn, unserem
Gott, danken, der uns prüft wie auch unsere Väter.
26 Gedenkt, was er mit Abraham getan hat und
wie er Isaak geprüft hat und was Jakob widerfahren ist in Mesopotamien in
Syrien, als er die Schafe Labans, des Bruders seiner Mutter, weidete.
27 Denn wie er jene im Feuer geläutert hat zur
Prüfung ihres Herzens, so hat er auch an uns keine Rache genommen, sondern zur
Zurechtweisung züchtigt der Herr die, die ihm nahen.
28 Und Ozias sprach zu ihr: Alles, was du
gesagt hast, hast du aus gutem Herzen geredet, und es gibt niemanden, der
deinen Worten widerstehen wird.
29 Denn nicht erst heute ist deine Weisheit
offenkundig, sondern vom Anfang deiner Tage an hat das ganze Volk deine
Einsicht erkannt, weil das Gebilde deines Herzens gut ist.
30 Aber das Volk hat sehr gedürstet, und sie
haben uns gezwungen, zu tun, wie wir zu ihnen geredet haben, und einen Eid auf
uns zu legen, den wir nicht übertreten werden.
31 Und nun bete für uns, denn du bist eine
fromme Frau, und der Herr wird den Regen senden zur Füllung unserer Zisternen,
und wir werden nicht mehr verschmachten.
32 Und Judith sprach zu ihnen: Hört mich, und
ich werde eine Tat vollbringen, die auf Geschlechter der Geschlechter zu den
Söhnen unseres Volkes gelangen wird.
33 Ihr sollt in dieser Nacht am Tor stehen, und
ich werde mit meiner Magd hinausgehen, und in den Tagen, nach denen ihr gesagt
habt, die Stadt unseren Feinden zu übergeben, wird der Herr Israel durch meine
Hand heimsuchen.
34 Ihr aber sollt mein Tun nicht erforschen,
denn ich werde es euch nicht sagen, bis vollendet ist, was ich tue.
35 Und Ozias und die Vorsteher sprachen zu ihr:
Geh hin in Frieden, und der Herr, Gott, sei vor dir zur Rache an unseren
Feinden.
36 Und sie kehrten aus dem Zelt zurück und
gingen zu ihren Posten.
Kapitel 9
1 Judit aber fiel auf ihr Angesicht, streute
Asche auf ihr Haupt und entblößte das Bußgewand, das sie angelegt hatte; und
eben wurde in Jerusalem im Hause Gottes das Räucheropfer jenes Abends
dargebracht. Und Judit schrie mit lauter Stimme zum Herrn und sprach:
2 Herr, du Gott meines Vaters Simeon, dem du
ein Schwert in die Hand gabst zur Rache an den Fremden, die den Schoß einer
Jungfrau lösten zur Befleckung, die Hüfte entblößten zur Schande und den Schoß
entweihten zur Schmach; denn du hattest gesagt: So soll es nicht sein — und sie
taten es dennoch.
3 Darum gabst du ihre Fürsten dem Mord preis
und ihr Lager, das ihres Betrugs sich schämte, dem Blut, betrogen wie es war;
und du schlugst Knechte samt Herrschern und Herrscher auf ihren Thronen,
4 und du gabst ihre Frauen zur Beute und ihre
Töchter in Gefangenschaft und all ihre Habe zur Verteilung an die von dir
geliebten Söhne, die auch mit deinem Eifer eiferten und die Befleckung ihres
Blutes verabscheuten und dich als Helfer anriefen. Gott, mein Gott, erhöre auch
mich, die Witwe!
5 Denn du hast das Frühere getan, jenes und das
Spätere; das Jetzige und das Kommende hast du bedacht, und was du erdachtest,
ist geschehen;
6 und was du beschlossest, trat hin und sprach:
Siehe, wir sind da. Denn alle deine Wege sind bereit, und dein Gericht
geschieht mit Vorwissen.
7 Denn siehe, die Assyrer sind zahlreich
geworden in ihrer Macht, sie brüsten sich mit Ross und Reiter, sie prahlen mit
dem Arm des Fußvolks, sie vertrauen auf Schild und Speer, Bogen und Schleuder,
und sie erkennen nicht, dass du der Herr bist, der die Kriege zerschmettert.
8 Herr ist dein Name. Zerbrich du ihre Stärke
durch deine Macht und zerschlage ihre Gewalt in deinem Zorn; denn sie haben
beschlossen, dein Heiligtum zu entweihen, die Wohnstätte der Ruhe deines
herrlichen Namens zu beflecken und mit Eisen das Horn deines Altars
niederzustoßen.
9 Blicke auf ihren Hochmut, sende deinen Zorn
auf ihre Häupter, gib in meine Hand, die der Witwe, die Kraft, die ich ersonnen
habe.
10 Schlage durch die List meiner Lippen den
Knecht samt dem Fürsten und den Fürsten samt seinem Diener; zerbrich ihren
Hochmut durch die Hand einer Frau.
11 Denn nicht in der Menge liegt deine Kraft,
noch deine Herrschaft bei den Starken, sondern der Demütigen Gott bist du, der
Geringen Helfer, Beistand der Schwachen, Beschirmer der Verzagten, Retter der
Hoffnungslosen.
12 Ja, ja, du Gott meines Vaters und Gott des
Erbes Israel, Herr des Himmels und der Erde, Schöpfer der Wasser, König deiner
ganzen Schöpfung, erhöre du mein Flehen
13 und gib, dass mein Wort und meine List ihnen
zur Wunde und Strieme werde, die gegen deinen Bund und dein geheiligtes Haus,
gegen den Gipfel Zions und das Haus des Besitzes deiner Söhne Hartes
beschlossen haben.
14 Und bewirke bei deinem ganzen Volk und jedem
Stamm die Erkenntnis, dass sie wissen: Du bist Gott, der Gott aller Macht und
Stärke, und es gibt keinen anderen, der das Geschlecht Israel beschirmt, außer
dir.
Kapitel 11
1 Und Holofernes sprach zu ihr: Sei getrost,
Frau, fürchte dich nicht in deinem Herzen; denn ich habe keinem Menschen ein
Leid getan, der sich entschlossen hat, dem König Nebukadnezar der ganzen Erde
zu dienen.
2 Und nun, hätte dein Volk, das das Bergland
bewohnt, mich nicht verachtet, so hätte ich meinen Speer nicht gegen sie
erhoben; sondern sie selbst haben sich dies angetan.
3 Und nun sage mir, weshalb du von ihnen
entflohen und zu uns gekommen bist; denn du bist zur Rettung gekommen. Sei
getrost: In dieser Nacht wirst du am Leben bleiben und auch fernerhin;
4 denn es gibt keinen, der dir Unrecht tun
wird, sondern man wird dir Gutes tun, wie es den Knechten meines Herrn, des
Königs Nebukadnezar, geschieht.
5 Und Judith sprach zu ihm: Nimm die Worte
deiner Magd an, und lass deine Dienerin vor deinem Angesicht reden, und ich
werde meinem Herrn in dieser Nacht keine Lüge verkünden.
6 Und wenn du den Worten deiner Dienerin
folgst, so wird Gott die Sache mit dir vollständig ausführen, und mein Herr
wird von seinen Vorhaben nicht abfallen.
7 Denn so wahr der König Nebukadnezar der
ganzen Erde lebt und so wahr seine Macht lebt, der dich ausgesandt hat zur
Aufrichtung jeder Seele: Nicht nur Menschen dienen ihm durch dich, sondern auch
die Tiere des Feldes und das Vieh und die Vögel des Himmels werden durch deine
Kraft unter Nebukadnezar und seinem ganzen Hause leben.
8 Denn wir haben von deiner Weisheit gehört und
von den klugen Anschlägen deiner Seele, und es ist der ganzen Erde verkündet
worden, dass du allein gut bist im ganzen Königreich und mächtig an Wissen und
wunderbar in den Kriegszügen.
9 Und nun, das Wort, das Achior in deinem Rat
gesprochen hat — wir haben seine Worte gehört; denn die Männer von Betulia
haben ihn aufgenommen, und er hat ihnen alles verkündet, was er bei dir geredet
hatte.
10 Darum, gebietender Herr, übergehe sein Wort
nicht, sondern lege es dir ins Herz, denn es ist wahr: Unser Geschlecht wird
nicht bestraft, kein Schwert vermag etwas gegen sie, es sei denn, sie sündigen
gegen ihren Gott.
11 Und nun, damit mein Herr nicht abgewiesen
und unverrichteter Dinge bleibe: Der Tod wird auf ihr Angesicht fallen, und
eine Sünde hat sie ergriffen, durch die sie ihren Gott erzürnen werden, sobald
sie das Ungehörige tun.
12 Da ihnen nämlich die Nahrung ausgegangen ist
und alles Wasser knapp geworden ist, haben sie beschlossen, sich an ihrem Vieh
zu vergreifen, und alles, was Gott ihnen in seinen Gesetzen zu essen verboten
hat, haben sie zu verzehren beschlossen.
13 Und die Erstlinge des Getreides und die
Zehnten des Weines und des Öls, die sie geheiligt und aufbewahrt haben für die
Priester, die in Jerusalem vor dem Angesicht unseres Gottes stehen, haben sie
zu verbrauchen beschlossen, Dinge, die keiner aus dem Volk auch nur mit den
Händen berühren durfte.
14 Und sie haben nach Jerusalem gesandt, denn
auch die dort Wohnenden haben dies getan — Boten, die ihnen die Erlaubnis vom
Ältestenrat holen sollen.
15 Und es wird geschehen: Sobald man es ihnen
verkündet und sie es tun, werden sie dir an jenem Tag zum Verderben
dahingegeben werden.
16 Deshalb bin ich, deine Magd, als ich dies
alles erkannte, von ihrem Angesicht entflohen, und Gott hat mich gesandt, mit
dir Dinge zu vollbringen, über die die ganze Erde staunen wird, alle, die davon
hören.
17 Denn deine Magd ist gottesfürchtig und dient
Tag und Nacht dem Gott des Himmels. Und nun will ich bei dir bleiben, mein
Herr, und deine Magd wird des Nachts in die Schlucht hinausgehen, und ich werde
zu Gott beten, und er wird mir sagen, wann sie ihre Sünden begangen haben.
18 Und ich werde kommen und es dir berichten,
und du wirst mit deiner ganzen Streitmacht ausziehen, und keiner von ihnen wird
dir widerstehen.
19 Und ich werde dich mitten durch Judäa
führen, bis du vor Jerusalem gelangst, und ich werde deinen Thronsitz mitten
darin aufstellen, und du wirst sie führen wie Schafe, die keinen Hirten haben,
und kein Hund wird mit seiner Zunge vor dir knurren; denn dies ist mir gemäß
meiner Vorhererkenntnis gesagt und mir verkündet worden, und ich bin gesandt,
es dir anzuzeigen. —
20 Und ihre Worte gefielen Holofernes und all
seinen Dienern, und sie staunten über ihre Weisheit und sprachen:
21 Es gibt keine solche Frau von einem Ende der
Erde bis zum anderen, an Schönheit des Angesichts und Verständigkeit der Rede.
22 Und Holofernes sprach zu ihr: Gott hat
wohlgetan, dass er dich vor dem Volk hergesandt hat, damit in unseren Händen
Macht sei, denen aber, die meinen Herrn verachtet haben, Verderben.
23 Und nun, du bist schön von Gestalt und klug
in deinen Worten; denn wenn du tust, wie du geredet hast, so wird dein Gott
mein Gott sein, und du wirst im Hause des Königs Nebukadnezar wohnen und
berühmt sein auf der ganzen Erde.
Kapitel 12
1 Und er befahl, sie dorthin zu führen, wo sein
Silbergerät aufgestellt war, und ordnete an, ihr von seinen Speisen aufzutragen
und von seinem Wein zu trinken zu geben.
2 Und Judit sprach: Ich werde nicht davon
essen, damit kein Anstoß entstehe, sondern von dem, was ich mitgebracht habe,
soll mir gereicht werden.
3 Und Holofernes sprach zu ihr: Wenn aber das,
was du bei dir hast, zu Ende geht, woher sollen wir dir Gleiches
herbeischaffen? Denn niemand von deinem Volk ist bei uns.
4 Und Judit sprach zu ihm: So wahr deine Seele
lebt, mein Herr: Deine Magd wird nicht aufbrauchen, was ich bei mir habe, ehe
der Herr durch meine Hand vollbracht hat, was er beschlossen hat.
5 Und die Diener des Holofernes führten sie in
das Zelt, und sie schlief bis Mitternacht; und sie stand auf zur Morgenwache.
6 Und sie sandte zu Holofernes und ließ sagen:
Mein Herr möge doch befehlen, deine Magd zum Gebet hinausgehen zu lassen.
7 Und Holofernes befahl den Leibwächtern, sie
nicht zu hindern. Und sie blieb drei Tage im Lager; und sie ging jede Nacht
hinaus in das Tal von Betulia und badete sich im Lager an der Wasserquelle.
8 Und wenn sie heraufstieg, betete sie zum
Herrn, dem Gott Israels, er möge ihren Weg lenken zur Aufrichtung der Söhne
seines Volkes.
9 Und rein kehrte sie zurück und blieb im Zelt,
bis sie gegen Abend ihre Speise zu sich nahm.
10 Und es geschah am vierten Tag, da
veranstaltete Holofernes ein Gelage allein für seine Diener und lud zum Mahl
niemanden von den Dienstleuten ein.
11 Und er sprach zu Bagoas, dem Eunuchen, der
über all seine Angelegenheiten gesetzt war: Geh doch und überrede die
hebräische Frau, die bei dir ist, zu uns zu kommen und mit uns zu essen und zu
trinken.
12 Denn siehe, es wäre eine Schande für unser
Angesicht, wenn wir eine solche Frau ziehen ließen, ohne mit ihr verkehrt zu
haben; denn wenn wir sie nicht an uns ziehen, wird sie uns verlachen.
13 Und Bagoas ging hinaus vom Angesicht des
Holofernes und trat bei ihr ein und sprach: Diese schöne junge Frau zögere doch
nicht, zu meinem Herrn zu kommen, um vor seinem Angesicht geehrt zu werden und
mit uns zur Freude Wein zu trinken und an diesem Tag zu werden wie eine der Töchter
der Söhne Assurs, die im Hause Nebukadnezars aufwarten.
14 Und Judit sprach zu ihm: Wer bin ich, dass
ich meinem Herrn widersprechen sollte? Denn alles, was in seinen Augen
wohlgefällig ist, will ich eilends tun, und dies wird mir eine Wonne sein bis
zum Tag meines Todes.
15 Und sie stand auf und schmückte sich mit dem
Gewand und allem weiblichen Schmuck, und ihre Magd trat hinzu und breitete für
sie vor Holofernes auf dem Boden die Felle aus, die sie von Bagoas für ihren
täglichen Gebrauch erhalten hatte, um darauf gelagert zu essen.
16 Und Judit trat ein und legte sich nieder,
und das Herz des Holofernes geriet außer sich über sie, und seine Seele wurde
erschüttert, und er war voller Begierde, mit ihr zu verkehren; denn er hatte
seit dem Tag, da er sie gesehen hatte, auf eine Gelegenheit gelauert, sie zu
verführen.
17 Und Holofernes sprach zu ihr: Trink doch und
sei mit uns fröhlich!
18 Und Judit sprach: Ich will trinken, Herr,
denn mein Leben ist heute größer geworden in mir als an allen Tagen seit meiner
Geburt.
19 Und sie nahm und aß und trank vor ihm, was
ihre Magd bereitet hatte.
20 Und Holofernes ergötzte sich an ihr und
trank sehr viel Wein, so viel, wie er noch nie an einem einzigen Tag getrunken
hatte, seit er geboren war.
Kapitel 13
1 Als es aber Abend geworden war, beeilten sich
seine Diener aufzubrechen. Und Bagoas verschloss das Zelt von außen und schloss
die Umstehenden vom Angesicht seines Herrn aus, und sie gingen fort zu ihren Lagerstätten;
denn alle waren ermüdet, weil das Gelage allzu lange gedauert hatte.
2 Judit aber blieb allein im Zelt zurück, und
Holofernes lag vornübergesunken auf seinem Lager; denn der Wein hatte ihn
übermannt.
3 Und Judit sagte ihrer Magd, sie solle draußen
vor ihrem Schlafgemach stehen und auf ihren Ausgang warten wie an jedem Tag,
denn sie werde, so sagte sie, zu ihrem Gebet hinausgehen; und dem Bagoas sagte
sie dasselbe.
4 Und alle gingen fort aus ihrer Gegenwart, und
niemand blieb im Schlafgemach zurück, vom Kleinsten bis zum Größten. Und Judit
trat an sein Lager und sprach in ihrem Herzen: Herr, Gott aller Macht, blicke
in dieser Stunde auf die Werke meiner Hände zur Erhöhung Jerusalems;
5 denn jetzt ist die Zeit, dich deines Erbteils
anzunehmen und mein Vorhaben auszuführen zur Vernichtung der Feinde, die sich
gegen uns erhoben haben.
6 Und sie trat an die Bettstange, die zu
Häupten des Holofernes war, und nahm sein Schwert von ihr herab,
7 und sie näherte sich dem Lager, ergriff das
Haar seines Hauptes und sprach: Stärke mich, Herr, Gott Israels, an diesem Tag.
8 Und sie schlug zweimal mit ihrer Kraft in
seinen Nacken und trennte sein Haupt von ihm ab.
9 Und sie wälzte seinen Leib vom Lager herab
und nahm das Mückennetz von den Säulen; und kurz darauf ging sie hinaus und
übergab ihrer Dienerin das Haupt des Holofernes,
10 und diese warf es in ihren Speisesack. Und
die beiden gingen zusammen hinaus, wie es ihre Gewohnheit war, zum Gebet; und
sie durchquerten das Lager, umgingen jene Schlucht, stiegen den Berg von
Betulia hinauf und kamen zu dessen Toren.
11 Und Judit rief von ferne den Wächtern an den
Toren zu: Öffnet, öffnet doch das Tor! Mit uns ist Gott, unser Gott, um noch
Kraft in Israel zu wirken und Stärke gegen die Feinde, wie er es auch heute
getan hat.
12 Und es geschah, als die Männer ihrer Stadt
ihre Stimme hörten, eilten sie hinab zum Tor ihrer Stadt und riefen die
Ältesten der Stadt zusammen.
13 Und alle liefen zusammen, vom Kleinsten bis
zum Größten, denn es erschien ihnen unglaublich, dass sie gekommen war; und sie
öffneten das Tor, nahmen die beiden auf, zündeten Feuer an zur Beleuchtung und
umringten sie.
14 Sie aber sprach zu ihnen mit lauter Stimme:
Lobt Gott, lobt ihn! Lobt Gott, der sein Erbarmen nicht vom Hause Israel
abgewandt hat, sondern unsere Feinde durch meine Hand in dieser Nacht
zerschmettert hat.
15 Und sie zog das Haupt aus dem Sack hervor,
zeigte es und sprach zu ihnen: Siehe, das Haupt des Holofernes, des obersten
Feldherrn der Streitmacht Assurs, und siehe, das Mückennetz, unter dem er in
seiner Trunkenheit lag; und der Herr hat ihn durch die Hand einer Frau
geschlagen.
16 Und so wahr der Herr lebt, der mich auf
meinem Weg, den ich ging, behütet hat: Mein Angesicht hat ihn zu seinem
Verderben betört, und er hat keine Sünde mit mir begangen zur Befleckung und
Schande.
17 Und das ganze Volk geriet außer sich, und
sie beugten sich nieder, beteten Gott an und sprachen einmütig: Gepriesen bist
du, unser Gott, der du am heutigen Tag die Feinde deines Volkes zunichtegemacht
hast.
18 Und Usija sprach zu ihr: Gesegnet bist du,
Tochter, vom höchsten Gott, vor allen Frauen auf Erden, und gepriesen sei der
Herr, unser Gott, der die Himmel und die Erde geschaffen hat, der dich geleitet
hat, das Haupt des Anführers unserer Feinde zu treffen.
19 Denn dein Vertrauen wird nicht weichen aus
dem Herzen der Menschen, die der Kraft Gottes gedenken, bis in Ewigkeit.
20 Und Gott möge dir dies zur ewigen Erhöhung
geben, dich mit Gutem heimzusuchen, dafür, dass du dein Leben nicht geschont
hast wegen der Erniedrigung unseres Geschlechts, sondern unserem Fall
entgegengetreten bist, indem du auf geradem Weg vor unserem Gott gewandelt
bist. Und das ganze Volk sprach: So geschehe es, so geschehe es!
Kapitel 14
1Und Judith sprach zu ihnen: Hört mich doch an,
Brüder, nehmt dieses Haupt und hängt es an die Zinne eurer Stadtmauer.
2Und es soll geschehen: Wenn die Morgenröte
anbricht und die Sonne über der Erde aufgeht, so nehme jeder von euch seine
Kriegswaffen, und alle wehrfähigen Männer sollen aus der Stadt hinausziehen;
und ihr sollt ihnen einen Anführer geben, als ob ihr in die Ebene gegen die
Vorwache der Söhne Assurs hinabsteigen wolltet – aber ihr sollt nicht
hinabsteigen.
3Dann werden diese ihre Rüstungen ergreifen, in
ihr Lager gehen und die Heerführer des Heeres Assurs wecken; und sie werden zum
Zelt des Holofernes zusammenlaufen und ihn nicht finden, und Furcht wird über
sie fallen, und sie werden vor euch fliehen.
4Und ihr und alle Bewohner des ganzen Gebietes
Israels sollt ihnen nachsetzen und sie auf ihren Wegen niederstrecken.
5Bevor ihr das aber tut, ruft mir Achior, den
Ammoniter, damit er sehe und den erkenne, der das Haus Israel verachtet und ihn
wie zum Tode zu uns gesandt hat.
6Und sie riefen Achior aus dem Hause des Usija.
Als er aber kam und das Haupt des Holofernes in der Hand eines Mannes in der
Versammlung des Volkes sah, fiel er auf sein Angesicht, und sein Geist verließ
ihn.
7Als sie ihn aber aufhoben, fiel er Judith zu
Füßen, warf sich vor ihr nieder und sprach: Gepriesen seist du in jedem Zelt
Judas und unter jedem Volk; alle, die deinen Namen hören, werden erschrecken.
8Und nun berichte mir, was du in diesen Tagen
getan hast. Und Judith erzählte ihm inmitten des Volkes alles, was sie getan
hatte, von dem Tag an, da sie ausgezogen war, bis zu dem Augenblick, da sie mit
ihnen redete.
9Als sie aber zu reden aufgehört hatte,
jauchzte das Volk mit lauter Stimme und erhob Freudenrufe in ihrer Stadt.
10Als aber Achior alles sah, was der Gott
Israels getan hatte, glaubte er fest an Gott, ließ das Fleisch seiner Vorhaut
beschneiden und wurde dem Hause Israel hinzugefügt bis auf diesen Tag. 11Als
aber die Morgenröte heraufstieg, hängten sie das Haupt des Holofernes an die
Mauer, und jeder Mann ergriff seine Waffen, und sie zogen in Scharen zu den
Aufstiegen des Berges hinaus.
12Als aber die Söhne Assurs sie sahen, sandten
sie zu ihren Anführern; diese aber gingen zu den Heerführern und Obersten und
zu allen ihren Befehlshabern.
13Und sie kamen zum Zelt des Holofernes und
sprachen zu dem, der über all das Seine gesetzt war: Wecke doch unseren Herrn,
denn die Knechte haben es gewagt, gegen uns zum Kampf herabzusteigen, damit sie
gänzlich vernichtet werden.
14Und Bagoas trat ein und klopfte an den
Vorhang des Zeltes; denn er vermutete, jener schlafe bei Judith.
15Als aber niemand antwortete, schob er den
Vorhang beiseite, trat in das Schlafgemach und fand ihn tot über die
Bettschwelle hingeworfen, und sein Haupt war ihm abgenommen.
16Und er schrie mit lauter Stimme, mit Weinen
und Seufzen und gewaltigem Geschrei, und zerriss seine Kleider.
17Und er ging in das Zelt, wo Judith ihre
Herberge gehabt hatte, und fand sie nicht; und er stürzte hinaus zum Volk und
schrie:
18Die Knechte haben Treubruch begangen! Eine
einzige Frau der Hebräer hat Schande über das Haus des Königs Nebukadnezar
gebracht; denn siehe, Holofernes liegt am Boden, und sein Haupt ist nicht mehr
auf ihm.
19Als aber die Anführer des Heeres Assurs diese
Worte hörten, zerrissen sie ihre Gewänder, und ihre Seele wurde sehr verstört,
und es erhob sich ein Geschrei und ein sehr großes Rufen inmitten des Lagers.
Kapitel 15
1 Und als die, welche in den Zelten waren, es
hörten, entsetzten sie sich über das Geschehene,
2 und Zittern und Furcht befiel sie, und kein
Mensch blieb mehr bei seinem Nächsten, sondern sie strömten allesamt hinaus und
flohen auf allen Wegen der Ebene und des Berglandes.
3 Auch die, welche sich im Bergland rings um
Betulua gelagert hatten, wandten sich zur Flucht. Und da stürzten die Söhne
Israels, jeder Kriegsmann unter ihnen, über sie her.
4 Und Usija sandte nach Betomasthaim und Bebai
und Chobai und Kola und in das ganze Gebiet Israels Boten, die das Vollbrachte
melden sollten, und damit alle sich auf die Feinde stürzten, um sie zu
vernichten.
5 Als aber die Söhne Israels es hörten, fielen
sie alle einmütig über sie her und schlugen sie bis Choba. Ebenso kamen auch
die aus Jerusalem herbei und aus dem ganzen Bergland, denn man hatte ihnen
berichtet, was im Lager ihrer Feinde geschehen war; und die in Gilead und die
in Galiläa umgingen sie und schlugen sie mit großer Niederlage, bis sie über
Damaskus und sein Gebiet hinausgezogen waren.
6 Die Übrigen aber, die in Betulua wohnten,
fielen über das Lager Assurs her, plünderten sie und wurden sehr reich.
7 Die Söhne Israels aber kehrten vom Gemetzel
zurück und bemächtigten sich des Übrigen, und die Dörfer und Gehöfte im
Bergland und in der Ebene gewannen viel Beute, denn es war eine überaus große
Menge.
8 Und Jojakim, der Hohepriester, und der
Ältestenrat der Söhne Israels, die in Jerusalem wohnten, kamen, um die guten
Dinge zu schauen, die der Herr an Israel getan hatte, und um Judit zu sehen und
friedlich mit ihr zu reden.
9 Als sie aber zu ihr hineinkamen, priesen sie
alle einmütig und sprachen zu ihr: Du bist die Erhöhung Jerusalems, du der
große Stolz Israels, du der große Ruhm unseres Geschlechts.
10 Du hast dies alles mit deiner Hand getan, du
hast Gutes an Israel getan, und Gott hatte Wohlgefallen daran. Sei gesegnet vom
allmächtigen Herrn auf ewige Zeit! Und das ganze Volk sprach: So geschehe es!
11 Und das ganze Volk plünderte das Lager
dreißig Tage lang; und sie gaben Judit das Zelt des Holofernes und alle
Silbergeräte und die Betten und die Becken und all sein Gerät, und sie nahm es,
lud es auf ihr Maultier, spannte ihre Wagen an und häufte es darauf.
12 Und alle Frauen Israels liefen zusammen, um
sie zu sehen, und priesen sie und führten für sie einen Reigen auf; und sie
nahm Thyrsosstäbe in ihre Hände und gab sie den Frauen, die bei ihr waren.
13 Und sie bekränzten sich mit Ölzweigen, sie
und die bei ihr waren, und sie zog vor dem ganzen Volk her im Reigen, allen
Frauen voran, und alle Männer Israels folgten bewaffnet, mit Kränzen, und
sangen Lobgesänge mit ihrem Munde.
14 Und Judit stimmte dieses Danklied an vor
ganz Israel, und das ganze Volk sang laut dieses Loblied mit.
Kapitel 16
1 Und Judith sprach: Stimmt an für meinen Gott
mit Pauken, singt dem Herrn mit Zimbeln, stimmt ihm zu Psalm und Lobgesang an,
erhebt und ruft an seinen Namen!
2 Denn ein Gott, der Kriege zerschmettert, ist
der Herr; denn in sein Lager mitten im Volk hat er mich errettet aus der Hand
meiner Verfolger.
3 Assur kam von den Bergen aus dem Norden, er
kam mit den Zehntausenden seiner Streitmacht, deren Menge die Bäche verstopfte,
und ihre Reiterei bedeckte die Hügel.
4 Er sprach, er wolle meine Grenzen verbrennen
und meine Jünglinge mit dem Schwert töten und meine Säuglinge zu Boden
schmettern und meine Kinder zur Beute geben und meine Jungfrauen rauben.
5 Der Herr, der Allmächtige, hat sie
zunichtegemacht durch die Hand einer Frau.
6 Denn nicht fiel ihr Gewaltiger durch
Jünglinge, noch schlugen ihn Söhne von Titanen, noch griffen ihn hohe Riesen
an, sondern Judith, die Tochter Meraris, hat ihn durch die Schönheit ihres
Angesichts gelähmt.
7 Denn sie legte das Gewand ihrer Witwenschaft
ab zur Erhöhung der Bedrängten in Israel, sie salbte ihr Angesicht mit
wohlriechendem Öl
8 und band ihre Haare mit einem Kopfbund und
nahm ein leinenes Gewand, ihn zu betören.
9 Ihre Sandale riss sein Auge an sich, und ihre
Schönheit nahm seine Seele gefangen; das Schwert durchfuhr seinen Hals.
10 Es schauderten die Perser vor ihrer
Kühnheit, und die Meder erschraken über ihre Verwegenheit.
11 Da jauchzten meine Niedrigen, und meine
Schwachen schrien, und jene wurden bestürzt; sie erhoben ihre Stimme, und jene
wandten sich zur Flucht.
12 Söhne junger Mädchen durchbohrten sie, und
wie Kinder von Überläufern verwundeten sie sie; sie kamen um durch die
Schlachtreihe meines Herrn.
13 Ich will meinem Gott ein neues Lied singen:
Herr, groß bist du und herrlich, wunderbar an Kraft, unübertrefflich.
14 Dir diene deine ganze Schöpfung; denn du
sprachst, und sie wurden; du sandtest deinen Geist, und er baute; und es gibt
keinen, der deiner Stimme widersteht.
15 Denn Berge werden von ihren Grundfesten samt
den Wassern erschüttert, und Felsen schmelzen vor deinem Angesicht wie Wachs;
doch denen, die dich fürchten, wirst du gnädig sein.
16 Denn gering ist jedes Opfer zum Wohlgeruch,
und das Geringste ist alles Fett als Brandopfer für dich; wer aber den Herrn
fürchtet, ist groß allezeit.
17 Wehe den Völkern, die sich gegen mein
Geschlecht erheben; der Herr, der Allmächtige, wird sie strafen am Tage des
Gerichts, Feuer und Würmer in ihr Fleisch zu geben, und sie werden weinen im
Schmerz bis in Ewigkeit.
18 Als sie aber nach Jerusalem kamen, beteten
sie Gott an, und als das Volk gereinigt war, brachten sie ihre Brandopfer und
ihre freiwilligen Gaben und ihre Geschenke dar.
19 Und Judith weihte alle Geräte des
Holofernes, die das Volk ihr gegeben hatte, und das Mückennetz, das sie sich
aus seinem Schlafgemach genommen hatte, gab sie Gott als Weihgeschenk.
20 Und das Volk feierte in Jerusalem vor dem
Heiligtum drei Monate lang, und Judith blieb bei ihnen.
21 Nach diesen Tagen aber zog ein jeder in sein
Erbteil zurück, und Judith ging nach Betulia und blieb auf ihrem Besitz; und
sie war zu ihrer Zeit berühmt im ganzen Land.
22 Und viele begehrten sie, doch kein Mann
erkannte sie alle Tage ihres Lebens von dem Tag an, da Manasse, ihr Mann,
gestorben und zu seinem Volk versammelt worden war.
23 Und sie wurde sehr alt und erreichte im Haus
ihres Mannes hundertfünf Jahre; und sie ließ ihre Magd frei. Und sie starb in
Betulia, und man begrub sie in der Grabhöhle ihres Mannes Manasse,
24 und das Haus Israel trauerte um sie sieben
Tage. Und sie verteilte ihre Habe vor ihrem Tod an alle nächsten Verwandten
Manasses, ihres Mannes, und an die nächsten Verwandten ihres Geschlechts.
25 Und es gab niemanden mehr, der die Söhne
Israels in Schrecken versetzte in den Tagen Judiths und noch lange Zeit nach
ihrem Tod.