2 Makkabäer
Kapitel 1
1 Den Brüdern, den Juden in Ägypten, Gruß. Die Brüder, die
Juden in Jerusalem und im Lande Judäa, wünschen guten Frieden.
2 Gott möge euch Gutes tun und seines Bundes gedenken, den
er mit Abraham, Isaak und Jakob, seinen treuen Knechten, geschlossen hat.
3 Er gebe euch allen ein Herz, ihn zu verehren und seinen
Willen zu tun mit großem Herzen und williger Seele.
4 Er öffne euer Herz
für sein Gesetz und seine Gebote und schaffe Frieden.
5 Er erhöre eure Gebete, versöhne sich mit euch und
verlasse euch nicht in böser Zeit.
6 Und nun beten wir hier für euch.
7 Unter der Regierung des Demetrios, im
hundertneunundsechzigsten Jahr, haben wir Juden euch geschrieben in der
Bedrängnis und in der Not, die in diesen Jahren über uns gekommen ist, seitdem
Jason und seine Anhänger vom heiligen Land und vom
Königreich abgefallen sind,
8 das Tor verbrannt
und unschuldiges Blut vergossen haben. Da flehten wir zum Herrn und wurden
erhört; wir brachten Opfer und Feinmehl dar, zündeten
die Leuchter an und legten die Brote aus.
9 Und nun: Feiert die Tage des Laubhüttenfestes im Monat
Kislew. Im hundertachtundachtzigsten Jahr. Die in Jerusalem und in Judäa, der
Ältestenrat und Judas entbieten Aristobulos, dem
Lehrer des Königs Ptolemäus, der aus dem Geschlecht der gesalbten Priester
stammt, und den Juden in Ägypten Gruß und Wohlergehen.
11 Aus großen Gefahren von Gott errettet, danken wir ihm
sehr, da wir gegen den König zu kämpfen hatten.
12 Denn er selbst hat die hinausgeworfen, die sich in der
heiligen Stadt zum Kampf aufgestellt hatten.
13 Denn als der Herrscher mit seinem Heer, das
unwiderstehlich zu sein schien, nach Persien gekommen war, wurden sie im Tempel
der Nanäa niedergemacht, indem die Priester der Nanäa eine List anwandten.
14 Denn Antiochus kam mit seinen Freunden an den Ort,
gleichsam um sich mit ihr zu vermählen, in Wahrheit aber, um die Schätze als
Mitgift zu nehmen.
15 Als die Priester der Nanäa sie
ausgelegt hatten und er mit wenigen in den Umkreis des Heiligtums getreten war,
verschlossen sie den Tempel, sobald Antiochus eingetreten war,
16 öffneten die verborgene Tür der Decke, warfen Steine
herab und zerschmetterten den Herrscher; sie zerstückelten die Leichen,
schnitten die Köpfe ab und warfen sie den Draußenstehenden hin.
17 In allem sei unser Gott gepriesen, der die Frevler
dahingegeben hat.
18 Da wir nun am fünfundzwanzigsten Kislew die Reinigung
des Tempels feiern wollen, hielten wir es für nötig, euch dies mitzuteilen,
damit auch ihr das Laubhüttenfest und das Fest des Feuers feiert, zum
Gedächtnis daran, dass Nehemia, nachdem er den Tempel und den Altar erbaut
hatte, Opfer darbrachte.
19 Denn als unsere Väter nach Persien weggeführt wurden,
nahmen die damaligen frommen Priester heimlich vom Feuer des Altars und
verbargen es in der Höhlung eines Brunnens, der wasserlos war, und sicherten es
dort so, dass der Ort allen unbekannt blieb.
20 Als viele Jahre vergangen waren und es Gott gefiel,
wurde Nehemia vom König Persiens gesandt und schickte die Nachkommen der
Priester, die es verborgen hatten, nach dem Feuer. Als sie uns aber
berichteten, sie hätten kein Feuer gefunden, sondern dickes Wasser,
21 befahl er ihnen, davon zu schöpfen und es zu bringen.
Als das zum Opfer Gehörige dargebracht war, befahl Nehemia den Priestern, das
Holz und das darauf Liegende mit dem Wasser zu besprengen.
22 Als dies geschehen und einige Zeit vergangen war und die
Sonne, die zuvor von Wolken verhüllt gewesen war, aufstrahlte, entzündete sich
ein großes Feuer, sodass sich alle verwunderten.
23 Während das Opfer verzehrt wurde, verrichteten die
Priester ein Gebet, die Priester und alle; Jonathan stimmte an, und die Übrigen
antworteten wie Nehemia.
24 Das Gebet aber hatte folgenden Wortlaut: Herr, Herr,
Gott, Schöpfer aller Dinge, furchtbar und stark und gerecht und barmherzig, du
allein bist König und gütig,
25 du allein Spender, du allein gerecht, allmächtig und
ewig, der du Israel aus allem Übel errettest, der du die Väter erwählt und
geheiligt hast:
26 Nimm das Opfer an für dein ganzes Volk Israel, bewahre
deinen Anteil und heilige ihn.
27 Sammle unsere Zerstreuten, befreie die, die unter den
Heiden in Knechtschaft leben, sieh auf die Verachteten und Verabscheuten, und
die Heiden sollen erkennen, dass du unser Gott bist.
28 Züchtige die, die uns unterdrücken und in Hochmut
freveln.
29 Pflanze dein Volk an deinen heiligen Ort, wie Mose
gesagt hat.
30 Die Priester aber sangen die Hymnen dazu.
31 Als das Opfer verzehrt war, befahl Nehemia, mit dem
übrig gebliebenen Wasser größere Steine zu begießen.
32 Als dies geschehen war, entzündete sich eine Flamme; sie
wurde aber von dem vom Altar herüberstrahlenden Licht verzehrt.
33 Als die Sache bekannt wurde und dem König der Perser
gemeldet wurde, dass an dem Ort, wo die weggeführten Priester das Feuer
verborgen hatten, das Wasser erschienen sei, mit dem Nehemia und seine Leute
das Opfer geweiht hatten,
34 ließ der König, nachdem er die Sache geprüft hatte, den
Ort umzäunen und zu einem Heiligtum machen.
35 Und denen, die der König begünstigte, gab er von den
vielen Einkünften, die er empfing, Anteil.
36 Nehemia und seine Leute aber nannten dies Nephthar, was übersetzt Reinigung heißt; bei den meisten
aber wird es Nephthai genannt.
Kapitel 2
1 Es findet sich aber in den Aufzeichnungen, dass der
Prophet Jeremia den Weggeführten befahl, von dem Feuer zu nehmen, wie angezeigt
worden ist,
2 und wie der Prophet den Weggeführten gebot, als er ihnen
das Gesetz gab, dass sie die Gebote des Herrn nicht vergessen und sich in ihren
Gedanken nicht verirren sollten, wenn sie die goldenen und silbernen
Götzenbilder und den Schmuck um sie herum sähen;
3 und indem er anderes dergleichen sagte, ermahnte er sie,
das Gesetz nicht aus ihrem Herzen weichen zu lassen.
4 Es stand aber in der Schrift, dass der Prophet auf eine
göttliche Weisung hin befahl, dass das Zelt und die Lade ihm folgen sollten,
als er zu dem Berg hinauszog, auf den Mose gestiegen war und das Erbe Gottes
geschaut hatte.
5 Und als Jeremia
dorthin kam, fand er eine höhlenartige Wohnung und brachte das Zelt, die Lade
und den Räucheraltar dort hinein und verschloss den Eingang.
6 Und einige von denen, die mitgegangen waren, traten
hinzu, um den Weg zu bezeichnen, konnten ihn aber nicht finden.
7 Als aber Jeremia es erfuhr, tadelte er sie und sprach:
Der Ort soll unbekannt bleiben, bis Gott die Sammlung des Volkes wieder
zusammenbringt und gnädig wird;
8 und dann wird der Herr dies wieder ans Licht bringen, und
die Herrlichkeit des Herrn wird erscheinen und die Wolke, wie sie sich auch
unter Mose zeigte, und wie auch Salomo darum bat, dass der Ort in großer Weise
geheiligt werde.
9 Es wurde auch berichtet, dass er, mit Weisheit begabt,
das Opfer der Einweihung und der Vollendung des Heiligtums darbrachte.
10 Wie Mose zum Herrn betete und Feuer vom Himmel herabfiel
und die Opfergaben verzehrte, so betete auch Salomo, und das herabfallende
Feuer verzehrte die Brandopfer.
11 Und Mose sprach: Weil das Sündopfer
nicht gegessen worden ist, wurde es verzehrt.
12 Ebenso beging auch Salomo die acht Tage.
13 Dasselbe wurde auch in den Aufzeichnungen und
Denkschriften Nehemias berichtet, und wie er eine Bibliothek gründete und die
Bücher über die Könige und Propheten und die Schriften Davids sowie Briefe der
Könige über Weihegaben sammelte.
14 Ebenso hat auch Judas alles, was durch den Krieg, der
über uns kam, zerstreut worden war, wieder gesammelt, und es ist bei uns.
15 Wenn ihr nun etwas davon braucht, so schickt Leute, die
es euch holen.
16 Da wir nun im Begriff sind, die Reinigung zu feiern,
haben wir euch geschrieben; ihr werdet also gut daran tun, diese Tage zu
begehen.
17 Gott aber, der sein ganzes Volk gerettet und allen das
Erbe, das Königtum, das Priestertum und die Heiligung wiedergegeben hat,
18 wie er es durch das Gesetz verheißen hat, denn wir
hoffen auf Gott, dass er sich unser bald erbarmen und uns aus allem, was unter
dem Himmel ist, an den heiligen Ort sammeln wird; denn er hat uns aus großen
Übeln errettet und den Ort gereinigt.
19 Die Geschichte des Judas Makkabäus und seiner Brüder,
die Reinigung des großen Heiligtums und die Einweihung des Altars,
20 ferner die Kriege
gegen Antiochos Epiphanes und dessen Sohn Eupator
21 und die vom Himmel geschehenen Erscheinungen zugunsten
derer, die sich für das Judentum ruhmvoll und tapfer eingesetzt haben, sodass
sie, obwohl nur wenige, das ganze Land zurückeroberten und die barbarischen
Scharen verjagten
22 und das in der ganzen Welt berühmte Heiligtum
wiedergewannen, die Stadt befreiten und die Gesetze, die abgeschafft werden
sollten, wiederherstellten, da der Herr ihnen mit aller Milde gnädig war
23 das alles, was von Jason von Kyrene in fünf Büchern
dargelegt worden ist, wollen wir versuchen, in einer einzigen Schrift
zusammenzufassen.
24 Denn im Hinblick auf die Flut der Zahlen und die
Schwierigkeit, die für diejenigen besteht, die sich wegen der Fülle des Stoffes
in die Erzählungen der Geschichte vertiefen wollen,
25 haben wir uns bemüht, denen, die lesen wollen,
Unterhaltung zu bieten, denen, die es gerne dem Gedächtnis einprägen möchten,
Erleichterung, und allen, die es zur Hand nehmen, Nutzen.
26 Und für uns, die wir die Mühsal des Auszugs auf uns
genommen haben, ist es nicht leicht, sondern eine Sache von Schweiß und
durchwachten Nächten,
27 gleichwie es für den, der ein Gastmahl bereitet und den
Vorteil anderer sucht, nicht mühelos ist; dennoch werden wir um des Dankes der
Vielen willen die Mühsal gerne ertragen,
28 indem wir die genaue Darstellung der Einzelheiten dem
Geschichtsschreiber überlassen, uns aber bemühen, den Grundlinien des Auszugs
zu folgen.
29 Denn wie der Baumeister eines neuen Hauses für den
gesamten Bau zu sorgen hat, während derjenige, der das Einbrennen und Bemalen
übernimmt, das für die Ausschmückung Geeignete zu prüfen hat, so, meine ich,
verhält es sich auch bei uns.
30 In den Stoff einzudringen, den Bericht umfassend
darzustellen und sich um alle Einzelheiten zu kümmern, das kommt dem Urheber
der Geschichtsschreibung zu;
31 aber die Kürze des Ausdrucks anzustreben und auf die
erschöpfende Behandlung des Stoffes zu verzichten, muss dem gestattet sein, der
die Bearbeitung vornimmt.
32 Hier wollen wir nun mit der Erzählung beginnen und dem
Gesagten nur so viel hinzufügen: Denn es wäre töricht, vor der Geschichte
weitschweifig zu sein, die Geschichte selbst aber zu kürzen.
Kapitel 3
1 Während also die heilige Stadt
in vollkommenem Frieden bewohnt wurde und die Gesetze noch aufs beste eingehalten wurden dank der Frömmigkeit und dem Hass
des Hohenpriesters Onias gegen das Böse,
2 geschah es, dass sogar die Könige selbst den Ort ehrten
und das Heiligtum mit den herrlichsten Geschenken verherrlichten,
3 sodass auch Seleukos, der König von Asien, aus seinen
eigenen Einkünften alle Kosten bestritt, die für den Dienst der Opfer anfielen.
4 Ein gewisser Simon aber aus dem Stamm Benjamin, der zum
Vorsteher des Tempels bestellt war, geriet mit dem Hohenpriester in Streit über
die Marktaufsicht in der Stadt;
5 und da er Onias nicht
überwinden konnte, ging er zu Apollonios, dem Sohn des Thraseas,
der zu jener Zeit Statthalter von Koilesyrien und
Phönizien war,
6 und berichtete ihm, dass die Schatzkammer in Jerusalem
von unermesslichen Geldern voll sei, sodass die Menge der Gelder unzählbar sei,
und dass sie nicht zur Rechnung der Opfer gehörten; es sei aber möglich, dass
dies alles in die Gewalt des Königs falle.
7 Als Apollonios mit dem König zusammentraf, unterrichtete
er ihn über die ihm gemeldeten Gelder; dieser aber bestimmte Heliodor, den
Kanzler, und sandte ihn mit dem Auftrag, die Wegschaffung der genannten Gelder
zu bewerkstelligen.
8 Sogleich machte
sich Heliodor auf die Reise, dem Anschein nach, um die Städte Koilesyriens und Phöniziens zu bereisen, in Wahrheit aber,
um das Vorhaben des Königs auszuführen.
9 Als er nach Jerusalem gekommen und vom Hohenpriester der
Stadt freundlich empfangen worden war, legte er dar, welche Anzeige erstattet
worden war, und machte deutlich, weshalb er gekommen sei; er erkundigte sich
aber, ob sich dies in Wahrheit so verhalte.
10 Der Hohepriester wies darauf hin, dass es hinterlegte
Gelder von Witwen und Waisen seien,
11 einiges aber auch von Hyrkanos, dem Sohn des Tobias,
einem Mann von sehr hohem Rang – nicht, wie der gottlose Simon verleumderisch
behauptet hatte –, das Ganze aber vierhundert Talente Silber und zweihundert
Talente Gold;
12 dass aber denen Unrecht geschehe, die auf die Heiligkeit
des Ortes und auf die Ehrwürdigkeit und Unverletzlichkeit des in der ganzen
Welt geehrten Tempels vertraut hätten, sei gänzlich unmöglich.
13 Heliodor aber sagte wegen der königlichen Befehle, die
er hatte, dies müsse auf jeden Fall in die königliche Schatzkammer eingezogen
werden.
14 Nachdem er einen Tag festgesetzt hatte, trat er ein, um
die Untersuchung darüber anzuordnen; es herrschte aber nicht geringe Angst in
der ganzen Stadt.
15 Die Priester warfen sich vor dem Altar in ihren
priesterlichen Gewändern nieder und riefen zum Himmel zu dem, der das Gesetz
über das anvertraute Gut gegeben hatte, er möge es denen, die es hinterlegt
hatten, unversehrt bewahren.
16 Wer aber die Gestalt des Hohenpriesters ansah, dem
musste das Herz verwundet werden; denn sein Anblick und die veränderte Farbe
seines Gesichts offenbarten die Angst seiner Seele.
17 Denn über den Mann hatte sich eine Furcht und ein
Zittern des Leibes ergossen, wodurch den Zuschauenden der Schmerz offenbar
wurde, der sein Herz befallen hatte.
18 Die Leute aber stürzten scharenweise aus den Häusern zu
allgemeinem Flehen, weil der Ort in Verachtung zu geraten drohte.
19 Die Frauen, unter den Brüsten mit Sacktuch gegürtet,
füllten die Straßen; die eingeschlossenen Jungfrauen aber liefen teils zu den
Toren zusammen, teils auf die Mauern, einige aber schauten durch die Fenster
hinaus;
20 alle aber streckten die Hände zum Himmel und
verrichteten das Flehen.
21 Zum Erbarmen war das bunt gemischte Niederfallen der
Menge und die bange Erwartung des Hohenpriesters in seiner großen Not.
22 Die einen also riefen den allmächtigen Gott an, das
Anvertraute denen, die es anvertraut hatten, unversehrt und in aller Sicherheit
zu bewahren;
23 Heliodor aber führte aus, was beschlossen war.
24 Als er aber schon mit seinen Leibwächtern dort bei der
Schatzkammer war, wirkte der Herr der Väter und Gebieter aller Gewalt eine
große Erscheinung, sodass alle, die sich hineinzugehen erdreistet hatten, von
der Macht Gottes erschrocken, in Ohnmacht und Verzagtheit gerieten.
25 Denn es erschien ihnen ein Pferd mit einem
furchterregenden Reiter, mit prächtigstem Geschirr geschmückt; in wildem Anlauf
schlug es mit den Vorderhufen auf Heliodor ein; der Reiter aber erschien in
goldener Rüstung.
26 Zwei andere Jünglinge aber erschienen ihm dazu,
ausgezeichnet an Kraft, herrlich an Glanz, prächtig an Gewändern, die sich auch
zu beiden Seiten stellten und ihn unablässig geißelten, indem sie ihm viele
Schläge versetzten.
27 Als er plötzlich zu Boden fiel und tiefes Dunkel ihn
umhüllte, rafften sie ihn auf, legten ihn auf eine Tragbahre
28 und trugen den, der eben noch mit großem Gefolge und
ganzer Leibwache in die vorgenannte Schatzkammer eingetreten war, hilflos
hinaus, da sie offenbar die Macht Gottes erkannt hatten.
29 Und er lag durch die göttliche Wirkung sprachlos da,
beraubt aller Hoffnung und Rettung;
30 sie aber priesen den Herrn, der seinen Ort wunderbar
verherrlicht hatte, und der Tempel, der kurz zuvor von Furcht und Verwirrung
erfüllt gewesen war, wurde, da der allmächtige Herr erschienen war, mit Freude
und Fröhlichkeit erfüllt.
31 Schnell aber baten einige von den Vertrauten Heliodors
den Onias, er möge den Höchsten anrufen, dass er dem,
der ganz in den letzten Zügen lag, das Leben schenke.
32 Der Hohepriester aber, in der Besorgnis, der König
könnte annehmen, dass von den Juden irgendein Anschlag gegen Heliodor verübt
worden sei, brachte ein Opfer dar für die Rettung des Mannes.
33 Während aber der Hohepriester die Sühne vollzog,
erschienen dem Heliodor dieselben Jünglinge wieder, in dieselben Gewänder
gekleidet, traten hin und sprachen: Sei dem Hohenpriester Onias
sehr dankbar, denn um seinetwillen hat dir der Herr das Leben geschenkt;
34 du aber, der du von ihm gegeißelt worden bist, verkünde
allen die gewaltige Macht Gottes. Als sie dies gesagt hatten, wurden sie
unsichtbar.
35 Heliodor aber brachte dem Herrn ein Opfer dar, tat dem,
der ihm das Leben erhalten hatte, die größten Gelübde, nahm von Onias Abschied und zog mit seinem Heer zum König zurück.
36 Er bezeugte aber allen die Werke des größten Gottes, die
er mit eigenen Augen geschaut hatte.
37 Als aber der König Heliodor fragte, wer wohl geeignet
sei, noch einmal nach Jerusalem gesandt zu werden, sagte er:
38 Wenn du einen Feind hast oder einen, der deiner
Herrschaft nachstellt, so schicke ihn dorthin, und du wirst ihn gegeißelt
zurückerhalten, wenn er überhaupt mit dem Leben davonkommt, weil an jenem Ort
wahrhaftig eine Macht Gottes ist;
39 denn er selbst, der seine Wohnung im Himmel hat, ist
Aufseher und Helfer jenes Ortes, und die, die zu Übeltat dorthin kommen,
schlägt und vernichtet er.
40 Und so verlief die Sache mit Heliodor und der Bewahrung
der Schatzkammer.
Kapitel 4
1 Der zuvor erwähnte Simon aber, der die Gelder und das
Vaterland verraten hatte, verleumdete den Onias, als
hätte dieser selbst den Heliodor angestiftet und sei der Urheber der Übel
geworden,
2 und er wagte es, den Wohltäter der Stadt, den Fürsorger
seiner Volksgenossen und Eiferer für die Gesetze einen Verschwörer gegen den
Staat zu nennen.
3 Als aber die Feindschaft so weit fortschritt, dass sogar
durch einen der von Simon Bestellten Morde verübt wurden,
4 erkannte Onias die Gefährlichkeit des Streites und dass
Apollonius, der Sohn des Menestheus, der Statthalter
von Koilesyrien und Phönizien, die Bosheit Simons
noch steigerte,
5 und begab sich zum König, nicht um als Ankläger seiner
Mitbürger aufzutreten, sondern weil er das gemeinsame und besondere Wohl des
ganzen Volkes im Auge hatte;
6 denn er sah, dass es ohne königliche Fürsorge unmöglich
sei, dass die Verhältnisse noch Frieden fänden und dass Simon von seiner
Torheit nicht ablassen werde.
7 Als aber Seleukos aus dem Leben geschieden war und
Antiochos, der Epiphanes genannt wurde, die Königsherrschaft übernommen hatte,
erschlich sich Jason, der Bruder des Onias, das
Hohepriesteramt,
8 indem er dem König in einer Unterredung
dreihundertsechzig Talente Silber versprach und aus einer anderen Einkunft
achtzig Talente.
9 Darüber hinaus verpflichtete er sich, noch weitere
hundertfünfzig zu überweisen, wenn ihm gestattet würde, kraft seiner Vollmacht
ein Gymnasion und eine Ephebenanstalt
einzurichten und die Bewohner Jerusalems als Antiochener
einzuschreiben.
10 Als der König zustimmte und er das Amt erlangt hatte,
führte er sogleich seine Volksgenossen zur griechischen Lebensweise hinüber
11 und beseitigte die den Juden gewährten königlichen
Vergünstigungen, die durch Johannes, den Vater des Eupolemos,
erwirkt worden waren, der die Gesandtschaft wegen Freundschaft und
Bundesgenossenschaft zu den Römern unternommen hatte. Und indem er die
gesetzmäßigen Ordnungen auflöste, führte er gesetzwidrige Bräuche neu ein;
12 denn mit Freuden errichtete er unmittelbar unterhalb der
Burg ein Gymnasion und brachte die vornehmsten der
Jünglinge dazu, den griechischen Hut zu tragen.
13 So groß war der Höhepunkt des Griechentums und das
Vordringen fremder Sitten durch die überbordende Ruchlosigkeit des gottlosen
Jason, der kein Hoherpriester war,
14 dass die Priester nicht mehr eifrig um den Dienst am
Altar bemüht waren, sondern den Tempel verachteten und die Opfer
vernachlässigten und sich beeilten, an den gesetzwidrigen Darbietungen in der
Ringschule teilzunehmen, sobald der Aufruf zum Diskuswerfen erging,
15 wobei sie die väterlichen Ehren für nichts achteten, die
griechischen Auszeichnungen aber für die schönsten hielten.
16 Deswegen umgab sie eine schlimme Bedrängnis, und eben
jene, deren Lebensweise sie nacheiferten und denen sie in allem gleichen
wollten, bekamen sie zu Feinden und Peinigern;
17 denn gegen die göttlichen Gesetze zu freveln ist keine
leichte Sache, doch das wird die folgende Zeit zeigen.
18 Als aber in Tyros die alle fünf Jahre stattfindenden
Wettspiele abgehalten wurden und der König zugegen war,
19 sandte der ruchlose Jason Festgesandte aus Jerusalem,
die Antiochener waren, mit dreihundert Silberdrachmen
für das Opfer des Herakles; doch die Überbringer selbst baten darum, sie nicht
für das Opfer zu verwenden, da es sich nicht gezieme, sondern für eine andere
Ausgabe zu bestimmen.
20 So fiel dieses
Geld zwar nach dem Willen des Absenders dem Herakles-Opfer zu, wurde aber auf
Betreiben der Überbringer für die Ausrüstung der Trieren verwendet.
21 Als aber Apollonius, der Sohn des Menestheus,
wegen der Thronbesteigung des Königs Ptolemäus Philometor nach Ägypten gesandt
worden war, erfuhr Antiochos, dass jener seinen Angelegenheiten feindlich
gesinnt geworden sei, und sorgte sich um seine eigene Sicherheit; daher kam er
nach Joppe und gelangte nach Jerusalem.
22 Von Jason und der Stadt großartig empfangen, zog er
unter Fackelzug und Zurufen ein; danach lagerte er sich so nach Phönizien.
23 Nach drei Jahren aber sandte Jason den Menelaos, den
Bruder des zuvor genannten Simon, um dem König die Gelder zu überbringen und
Verhandlungen über notwendige Angelegenheiten zum Abschluss zu bringen.
24 Der aber, dem König vorgestellt und ihn durch das
Auftreten seiner Machtstellung beeindruckend, brachte das Hohepriesteramt an sich,
indem er Jason um dreihundert Talente Silber überbot.
25 Mit den königlichen Ernennungsschreiben versehen, kam er
an, ohne etwas des Hohepriesteramtes Würdiges mitzubringen, sondern mit dem
Zorn eines grausamen Tyrannen und der Wut eines wilden Tieres.
26 Und Jason, der seinen eigenen Bruder hintergangen hatte,
wurde nun selbst von einem anderen hintergangen und als Flüchtling in das Land
der Ammoniter vertrieben.
27 Menelaos aber hatte zwar das Amt inne, zahlte jedoch von
den dem König versprochenen Geldern nichts pünktlich; als aber Sostratos, der
Befehlshaber der Burg, die Forderung geltend machte,
28 denn diesem oblag die Eintreibung der Abgaben — aus
diesem Grund wurden beide vom König vorgeladen,
29 und Menelaos hinterließ als Stellvertreter im
Hohepriesteramt seinen Bruder Lysimachos, Sostratos aber den Krates, den
Befehlshaber der Kyprier.
30 Während diese Dinge so standen, geschah es, dass die
Bewohner von Tarsos und Mallos sich empörten, weil
sie der Antiochis, der Nebenfrau des Königs, als Geschenk
gegeben worden waren.
31 Eilends kam daher der König, um die Verhältnisse zu
beruhigen, und ließ als seinen Stellvertreter Andronikos zurück, einen der
hochgestellten Männer.
32 Menelaos aber, der glaubte, einen günstigen Zeitpunkt
erlangt zu haben, entwendete einige goldene Geräte des Tempels und schenkte sie
dem Andronikos; andere hatte er nach Tyros und in die umliegenden Städte
verkauft.
33 Als Onias dies sicher erfahren
hatte, erhob er Vorwürfe, nachdem er sich an einen Asylort
bei Daphne, das bei Antiochia liegt, zurückgezogen hatte.
34 Daher nahm Menelaos den Andronikos beiseite und drängte
ihn, den Onias aus dem Weg zu räumen. Der aber begab
sich zu Onias, und indem er sich zur List überreden
ließ und ihm die Rechte mit Eiden gab, überredete er ihn — obwohl dieser
Verdacht hegte —, aus dem Asyl herauszukommen, und tötete ihn sogleich, ohne
das Recht zu scheuen.
35 Aus diesem Grund empörten sich nicht nur die Juden,
sondern auch viele aus den anderen Völkern und waren entrüstet über die
ungerechte Ermordung des Mannes.
36 Als aber der König aus den Gegenden Kilikiens
zurückkehrte, wandten sich die Juden in der Stadt an ihn, wobei auch die
Griechen ihren Abscheu über die Bosheit teilten, weil Onias wider alles Recht
getötet worden war.
37 Antiochos nun, von Herzen betrübt und zum Mitleid
bewegt, vergoss Tränen wegen der Besonnenheit und großen Rechtschaffenheit des
Verstorbenen
38 und, von Zorn entbrannt, ließ er dem Andronikos sogleich
den Purpur abnehmen und die Gewänder zerreißen, führte ihn durch die ganze
Stadt und ließ den Mörder an eben dem Ort, an dem er an Onias
gefrevelt hatte, hinrichten, da der Herr ihm die verdiente Strafe vergalt.
39 Als aber durch Lysimachos mit Zustimmung des Menelaos
viele Tempelräubereien in der Stadt verübt worden waren und sich das Gerücht
davon nach außen verbreitet hatte, rottete sich die Menge gegen Lysimachos
zusammen, nachdem bereits viele goldene Geräte weggeschafft worden waren.
40 Als sich aber die Massen erhoben und von Zorn erfüllt
waren, bewaffnete Lysimachos an die dreitausend Mann und begann mit
gewalttätigem Unrecht, wobei ein gewisser Tyrann vorangeführt wurde, der an
Alter vorgerückt war, nicht weniger aber auch an Torheit.
41 Als sie aber den Angriff des Lysimachos bemerkten,
ergriffen die einen Steine, andere dicke Knüppel, manche griffen auch in die
daneben liegende Asche und schleuderten alles durcheinander auf die Leute des
Lysimachos.
42 Dadurch verwundeten sie viele von ihnen, einige
streckten sie sogar nieder, alle aber trieben sie in die Flucht; den
Tempelräuber selbst aber überwältigten sie neben der Schatzkammer.
43 Über diese Vorfälle wurde ein Prozess gegen Menelaos
angestrengt.
44 Als der König nach Tyrus
gekommen war, trugen die drei vom Ältestenrat gesandten Männer vor ihm die
Anklage vor.
45 Menelaos aber, der schon verloren war, versprach dem
Ptolemaios, dem Sohn des Dorymenes, eine beträchtliche Geldsumme, damit er den
König umstimme.
46 Daher nahm Ptolemaios den König beiseite in einen
Säulenhof, als wolle dieser sich erfrischen, und stimmte ihn um;
47 und so sprach er den Menelaos, den Urheber des ganzen
Übels, von den Anklagen frei, die Unglücklichen aber, die, hätten sie selbst
vor Skythen gesprochen, als unschuldig freigesprochen worden wären, verurteilte
er zum Tode.
48 So erlitten die, die für die Stadt, das Volk und die
heiligen Geräte gesprochen hatten, rasch die ungerechte Strafe.
49 Deshalb sorgten auch die Tyrer aus Abscheu vor dem
Unrecht großzügig für ihr Begräbnis.
50 Menelaos aber blieb dank der Habgier der Machthaber im
Amt, wuchs in seiner Bosheit weiter und wurde zum großen Feind seiner
Mitbürger.
Kapitel 5
1 Um diese Zeit unternahm Antiochos seinen zweiten Feldzug
nach Ägypten.
2 Da geschah es, dass in der ganzen Stadt beinahe vierzig
Tage lang Erscheinungen in der Luft zu sehen waren: Reiter in goldgewirkten
Gewändern, die dahinjagten, und in Scharen mit Lanzen bewaffnete Truppen,
3 geordnete Reiterschwadronen, Angriffe und Gegenangriffe
von beiden Seiten, das Schwingen von Schilden, eine Menge von Speeren, das
Zücken von Schwertern, das Schleudern von Geschossen, das Aufblitzen goldenen
Schmuckes und Panzerungen aller Art.
4 Darum beteten alle, die Erscheinung möge Gutes bedeuten.
5 Als aber ein falsches Gerücht aufkam, Antiochos sei aus
dem Leben geschieden, nahm Jason nicht weniger als tausend Mann und unternahm
plötzlich einen Angriff auf die Stadt. Als die Verteidiger auf die Mauer
zurückgedrängt wurden und die Stadt schließlich schon eingenommen war,
flüchtete Menelaos in die Burg.
6 Jason aber richtete unter seinen eigenen Mitbürgern ein
schonungsloses Blutbad an, ohne zu bedenken, dass ein Erfolg gegen die eigenen
Verwandten das größte Unglück ist; er meinte, Siegeszeichen über Feinde und
nicht über Volksgenossen aufzurichten.
7 Die Herrschaft erlangte er jedoch nicht, sondern erntete
am Ende von seinem Anschlag nur Schande und zog wieder als Flüchtling in das Ammaniterland.
8 So fand sein schlechter Wandel schließlich sein Ende: Bei
Aretas, dem Herrscher der Araber, verklagt, floh er von Stadt zu Stadt, von
allen verfolgt und gehasst als Abtrünniger von den Gesetzen und verabscheut als
Henker seines Vaterlandes und seiner Mitbürger, und wurde nach Ägypten
verschlagen.
9 Und er, der so viele aus dem Vaterland vertrieben hatte,
kam in der Fremde um, nachdem er zu den Lakedaimoniern
gefahren war, in der Hoffnung, wegen der Verwandtschaft Schutz zu finden.
10 Und er, der eine Menge Menschen unbestattet hingeworfen
hatte, blieb unbeklagt, erhielt keinerlei Begräbnis
und keinen Anteil am Grab seiner Väter.
11 Als dem König die Nachricht von diesen Vorgängen zukam,
meinte er, Judäa sei abgefallen. Deshalb brach er, wild geworden in seiner
Seele, aus Ägypten auf und nahm die Stadt mit Waffengewalt ein 12 und befahl
den Soldaten, schonungslos niederzuhauen, wer ihnen in die Hände fiel, und die,
die in die Häuser hinaufstiegen, niederzumetzeln. 13 Da kam es zur Ermordung
von Jungen und Alten, zur Vernichtung von Männern, Frauen und Kindern, zum
Abschlachten von Jungfrauen und Säuglingen. 14 Achtzigtausend kamen in den
ganzen drei Tagen um: vierzigtausend durch die Hand der Mörder, und nicht
weniger als die Erschlagenen wurden verkauft. 15 Damit nicht zufrieden, wagte
er es, das heiligste Heiligtum der ganzen Erde zu betreten, wobei Menelaos ihn
führte, der zum Verräter an den Gesetzen und am Vaterland geworden war,
16 und er nahm mit seinen befleckten Händen die heiligen
Geräte und raffte mit seinen unheiligen Händen zusammen, was von anderen
Königen zur Mehrung, zum Ruhm und zur Ehre der Stätte gestiftet worden war, und
gab es preis.
17 Und Antiochos überhob sich in seinem Sinn und erkannte
nicht, dass der Herr wegen der Sünden der Bewohner der Stadt nur für kurze Zeit
erzürnt war und darum die Stätte preisgegeben hatte.
18 Wären sie aber nicht in viele Sünden verstrickt gewesen,
so wäre er, sobald er vorgedrungen wäre, sogleich gegeißelt und von seiner
Frechheit abgebracht worden, wie Heliodoros, den König Seleukos zur
Untersuchung der Schatzkammer geschickt hatte.
19 Aber der Herr hat nicht das Volk um der Stätte willen,
sondern die Stätte um des Volkes willen erwählt.
20 Darum hatte auch die Stätte selbst Anteil an dem
Unglück, das das Volk traf, und später wurde sie der Wohltaten des Herrn
teilhaftig; und was im Zorn des Allmächtigen preisgegeben worden war, wurde bei
der Versöhnung mit dem großen Herrscher wieder in aller Herrlichkeit
hergestellt.
21 Antiochos jedenfalls entführte tausendachthundert
Talente aus dem Tempel und eilte schleunigst nach Antiochia, in seinem Hochmut
wähnend, das Land schiffbar und das Meer begehbar machen zu können, so
überheblich war sein Herz.
22 Er ließ aber auch Aufseher zurück, um das Volk zu
drangsalieren: in Jerusalem Philippos, von Herkunft ein Phryger, an Gesinnung
aber noch barbarischer als der, der ihn eingesetzt hatte,
23 auf dem Garizim Andronikos,
und außerdem Menelaos, der sich schlimmer als die anderen über seine Mitbürger
erhob und eine feindselige Gesinnung gegen die jüdischen Bürger hegte.
24 Er sandte auch den Erzfrevler Apollonios mit einem Heer
von zweiundzwanzigtausend Mann und befahl, alle Männer im wehrfähigen Alter
niederzumetzeln, die Frauen und die Jüngeren aber zu verkaufen.
25 Dieser kam nach Jerusalem, stellte sich friedlich und
wartete bis zum heiligen Sabbattag; und als er die Juden bei der Ruhe antraf,
befahl er seinen Leuten eine Waffenparade
26 und ließ alle, die zum Schauen herausgekommen waren,
niederstechen, und mit den Waffen in die Stadt eindringend, streckte er eine
große Menge nieder.
27 Judas aber, der Makkabäer, floh mit etwa neun anderen
und zog sich in die Wüste zurück, und er lebte mit seinen Gefährten nach Art
der wilden Tiere in den Bergen, und sie nährten sich fortwährend von
Pflanzenkost, um an der Befleckung keinen Anteil zu haben.
Kapitel 6
1 Nicht lange Zeit danach sandte der König einen alten
Athener aus, um die Juden zu zwingen, von den väterlichen Gesetzen abzufallen
und nicht mehr nach den Gesetzen Gottes zu leben,
2 auch den Tempel in Jerusalem zu entweihen und ihn nach
dem Zeus Olympios zu benennen, den auf dem Garizim aber, wie es die Bewohner des Ortes waren, nach dem
Zeus Xenios.
3 Schlimm und unerträglich war für alle diese Zuspitzung
der Bosheit.
4 Denn das Heiligtum wurde von den Heiden mit Ausschweifung
und Gelagen erfüllt, die sich mit Dirnen vergnügten und in den heiligen
Vorhöfen mit Frauen verkehrten, überdies Unziemliches hineinbrachten.
5 Der Altar aber wurde mit unerlaubten, von den Gesetzen
ausgeschlossenen Dingen angefüllt.
6 Man durfte weder den Sabbat halten noch die väterlichen
Feste bewahren noch sich überhaupt als Jude bekennen.
7 Mit bitterem Zwang wurden sie am monatlichen Geburtstag
des Königs zum Opfermahl geführt; und als das Fest der Dionysien gefeiert
wurde, wurden die Juden gezwungen, mit Efeukränzen im Festzug dem Dionysos zu
Ehren mitzuziehen.
8 Auf Anregung des Ptolemäus erging ein Beschluss an die
benachbarten griechischen Städte, dieselbe Behandlung gegen die Juden
anzuwenden und sie zum Opferessen zu zwingen,
9 die aber, die sich nicht entschlossen, zu den griechischen
Bräuchen überzugehen, niederzumachen. So konnte man das gegenwärtige Elend vor
Augen sehen.
10 Zwei Frauen wurden nämlich vorgeführt, weil sie ihre
Kinder beschnitten hatten; man hängte ihnen die Säuglinge an die Brüste, führte
sie öffentlich durch die Stadt und stürzte sie von der Mauer hinab.
11 Andere, die in die nahen Höhlen zusammengelaufen waren,
um heimlich den Sabbat zu begehen, wurden dem Philippus angezeigt und
miteinander verbrannt, weil sie sich scheuten, sich selbst zu helfen, aus Ehrfurcht
vor der Würde des heiligsten Tages.
12 Ich ermahne nun die Leser dieses Buches, sich durch die
Unglücksfälle nicht niederdrücken zu lassen, sondern zu bedenken, dass die
Strafen nicht zur Vernichtung, sondern zur Erziehung unseres Geschlechtes
dienen.
13 Denn dass die Gottlosen nicht lange gewähren gelassen
werden, sondern alsbald Strafen verfallen, ist ein Zeichen großer Wohltat.
14 Denn nicht wie bei den anderen Völkern wartet der Herr
langmütig, bis sie das Maß ihrer Sünden erfüllt haben, um sie dann zu strafen,
so hat er es auch bei uns zu halten beschlossen,
15 damit er nicht, wenn unsere Sünden ihr Ende erreicht
haben, später an uns Rache nehme.
16 Deshalb entzieht er uns niemals sein Erbarmen; auch wenn
er mit Unglück züchtigt, verlässt er sein Volk nicht.
17 Doch dies sei uns nur zur Erinnerung gesagt; nach diesen
wenigen Worten müssen wir zur Erzählung zurückkehren.
18 Eleasar, einer der vornehmsten Schriftgelehrten, ein
Mann schon vorgerückten Alters und von höchst edler Erscheinung, wurde
gezwungen, den Mund zu öffnen und Schweinefleisch zu essen.
19 Er aber, den ruhmvollen Tod dem Leben mit Befleckung
vorziehend, ging freiwillig zur Folterbank, nachdem er es ausgespien hatte,
20 so wie es sich für diejenigen geziemt heranzutreten, die
standhaft abwehren, was zu kosten nicht erlaubt ist, auch nicht um der Liebe
zum Leben willen.
21 Die aber, die bei
dem gesetzwidrigen Opfermahl den Vorsitz hatten, nahmen ihn wegen ihrer alten
Bekanntschaft mit dem Manne beiseite und redeten ihm zu, sich Fleisch bringen
zu lassen, das er verwenden dürfe und das er selbst zubereitet habe, und sich
zu stellen, als esse er von dem vom König befohlenen Opferfleisch,
22 damit er dadurch dem Tode entrinne und wegen der alten
Freundschaft mit ihnen Milde erfahre.
23 Er aber fasste einen edlen Entschluss, würdig seines
Alters, der Erhabenheit seines Greisentums, seines
erworbenen und ehrwürdigen grauen Haares, seines von Kindheit an trefflichen
Wandels, mehr noch der heiligen, von Gott gegebenen Gesetzgebung entsprechend,
und erklärte demgemäß, man solle ihn nur schnell in den Hades schicken.
24 „Denn unseres Alters ist es nicht würdig, sich zu
verstellen, damit nicht viele von den Jungen glauben, der neunzigjährige
Eleasar sei zum fremden Wesen übergegangen,
25 und auch sie durch meine Verstellung und um des kurzen,
flüchtigen Lebens willen meinetwegen irregeführt werden und ich Befleckung und
Schandfleck über mein Alter bringe.
26 Denn wenn ich auch für den Augenblick der Strafe der
Menschen entrinne, so werde ich doch den Händen des Allmächtigen weder lebend
noch tot entfliehen.
27 Darum will ich jetzt mannhaft das Leben verlassen und
mich so des Alters würdig erweisen,
28 den Jungen aber ein edles Beispiel hinterlassen,
bereitwillig und edel für die ehrwürdigen und heiligen Gesetze eines schönen
Todes zu sterben.“ Nach diesen Worten ging er sogleich zur Folterbank.
29 Die ihn aber
führten, verwandelten das Wohlwollen, das sie kurz zuvor gegen ihn gehegt
hatten, in Feindseligkeit, weil die vorher gesprochenen Worte, wie sie meinten,
Wahnwitz seien.
30 Als er unter den Schlägen zu sterben im Begriff war,
seufzte er auf und sprach: „Dem Herrn, der die heilige Erkenntnis hat, ist es
offenbar, dass ich, obwohl ich dem Tode entrinnen könnte, harte Schmerzen am
Leibe unter den Geißelhieben erdulde, in der Seele aber dies gern um seiner
Furcht willen erleide.“
31 Und so schied auch dieser aus dem Leben und hinterließ
nicht nur den Jungen, sondern auch dem größten Teil des Volkes seinen Tod als
Beispiel des Edelmuts und als Denkmal der Tugend.
Kapitel 7
1 Es geschah aber auch, dass sieben Brüder samt ihrer
Mutter ergriffen und vom König gezwungen wurden, von dem verbotenen
Schweinefleisch zu essen, wobei man sie mit Geißeln und Riemen misshandelte.
2 Einer von ihnen aber, der ihr Wortführer wurde, sprach so:
Was willst du uns fragen und von uns erfahren? Denn wir sind bereit zu sterben,
ehe wir die väterlichen Gesetze übertreten.
3 Da wurde der König zornig und befahl, Pfannen und Kessel
zu erhitzen.
4 Als diese sogleich erhitzt waren, befahl er, dem, der ihr
Wortführer geworden war, die Zunge abzuschneiden, ihm die Kopfhaut abzuziehen
und ihn zu verstümmeln, während die übrigen Brüder und die Mutter zusahen.
5 Als er nun gänzlich unbrauchbar geworden war, befahl er,
ihn noch lebend zum Feuer zu bringen und in der Pfanne zu braten. Während sich
der Dampf aus der Pfanne weithin verbreitete, ermahnten sie einander samt der
Mutter, tapfer zu sterben, indem sie so sprachen:
6 Der Herr, Gott, sieht darauf und lässt sich in Wahrheit
über uns erbarmen, wie es Mose in dem Lied, das offen Zeugnis ablegt, kundgetan
hat mit den Worten: Und über seine Knechte wird er sich erbarmen.
7 Als der erste auf diese Weise gestorben war, führten sie
den zweiten zur Marter, rissen ihm die Kopfhaut samt den Haaren ab und fragten:
Willst du essen, bevor dein Leib Glied für Glied gemartert wird?
8 Er aber antwortete in der Sprache der Väter und sprach:
Nein! Deshalb erlitt auch er die nächste Folter wie der erste.
9 Als er in den letzten Zügen lag, sprach er: Du
Verruchter, du nimmst uns zwar das gegenwärtige Leben, aber der König der Welt
wird uns, die wir für seine Gesetze sterben, zu einer ewigen Wiedererweckung
des Lebens auferwecken.
10 Nach diesem wurde der dritte gemartert; als man die
Zunge von ihm forderte, streckte er sie sogleich heraus und hielt unerschrocken
die Hände hin
11 und sprach mutig: Vom Himmel habe ich diese empfangen,
und um seiner Gesetze willen achte ich sie gering, und von ihm hoffe ich sie
wiederzuerlangen;
12 sodass der König selbst und die bei ihm waren, über den
Mut des Jünglings staunten, wie er die Schmerzen für nichts achtete.
13 Und als auch dieser gestorben war, folterten und
misshandelten sie den vierten ebenso.
14 Und als er dem Tode nahe war, sprach er: Es ist besser,
durch Menschenhand zu sterben und dabei die Hoffnungen auf Gott zu hegen, von
ihm wieder auferweckt zu werden; für dich aber wird es keine Auferstehung zum
Leben geben.
15 Darauf führten sie den fünften herbei und misshandelten
ihn.
16 Er aber blickte ihn an und sprach: Du hast Macht unter
den Menschen, obwohl du sterblich bist, und tust, was du willst; aber glaube
nicht, dass unser Geschlecht von Gott verlassen sei.
17 Du aber warte nur und schaue seine gewaltige Macht, wie
er dich und deinen Samen peinigen wird.
18 Nach diesem führten sie den sechsten herbei, und als er
sterben sollte, sprach er: Täusche dich nicht vergeblich; denn wir leiden dies
um unserer selbst willen, weil wir gegen unseren Gott gesündigt haben; darum
ist Staunenswertes geschehen.
19 Du aber wähne nicht, straflos zu bleiben, da du
unternommen hast, gegen Gott zu kämpfen.
20 Über alle Maßen aber war die Mutter bewundernswert und
eines guten Andenkens würdig, die zusah, wie sieben Söhne binnen eines einzigen
Tages umkamen, und es tapfer ertrug wegen der Hoffnungen auf den Herrn.
21 Jeden von ihnen ermahnte sie in der Sprache der Väter,
erfüllt von edler Gesinnung, und indem sie den weiblichen Sinn mit männlichem
Mut aufrichtete, sprach sie zu ihnen:
22 Ich weiß nicht, wie ihr in meinem Leibe entstanden seid;
nicht ich habe euch Atem und Leben geschenkt, und nicht ich habe die
Grundstoffe eines jeden zusammengefügt.
23 Darum wird der Schöpfer der Welt, der die Entstehung des
Menschen gebildet und den Ursprung aller Dinge ersonnen hat, euch Atem und
Leben in seinem Erbarmen wiedergeben, weil ihr euch jetzt um seiner Gesetze
willen selbst gering achtet.
24 Antiochus aber, der sich verachtet glaubte und in der
Stimme einen Vorwurf argwöhnte, redete, da der Jüngste noch am Leben war, ihm
nicht nur mit Worten zu, sondern versicherte auch mit Eiden, er werde ihn reich
und glücklich machen, wenn er von den väterlichen Gesetzen abfiele, und ihn zum
Freund haben und ihm Ämter anvertrauen.
25 Da aber der Jüngling darauf gar nicht einging, rief der
König die Mutter herbei und redete ihr zu, dem Knaben zu seiner Rettung zu
raten.
26 Nachdem er ihr vielfach zugeredet hatte, versprach sie,
den Sohn zu überreden.
27 Sie neigte sich aber zu ihm und sprach, den grausamen
Tyrannen verspottend, so in der Sprache der Väter: Sohn, erbarme dich meiner,
die ich dich neun Monate im Leibe getragen, dich drei Jahre gestillt, dich
aufgezogen und bis zu diesem Alter geführt und ernährt habe.
28 Ich bitte dich, Kind, blicke
auf zum Himmel und zur Erde, betrachte alles, was darin ist, und erkenne, dass
Gott dies aus dem Nichts geschaffen hat und dass so auch das Menschengeschlecht
entstanden ist.
29 Fürchte diesen Henker nicht, sondern werde deiner Brüder
würdig und nimm den Tod an, damit ich dich in der Zeit des Erbarmens samt
deinen Brüdern wiedererlange.
30 Während sie noch redete, sprach der Jüngling: Auf wen
wartet ihr? Ich gehorche nicht dem Befehl des Königs, sondern ich höre auf den
Befehl des Gesetzes, das unseren Vätern durch Mose gegeben wurde.
31 Du aber, der du der Urheber alles Übels gegen die Hebräer
geworden bist, wirst den Händen Gottes nicht entrinnen.
32 Denn wir leiden um unserer eigenen Sünden willen.
33 Wenn aber unser lebendiger Herr zur Züchtigung und
Erziehung für kurze Zeit gezürnt hat, so wird er sich doch mit seinen Knechten
wieder versöhnen.
34 Du aber, du Gottloser und Verruchtester aller Menschen,
überhebe dich nicht vergeblich, indem du dich mit ungewissen Hoffnungen
brüstest und die Hand gegen seine Knechte erhebst;
35 denn noch bist du dem Gericht des allmächtigen, alles
schauenden Gottes nicht entronnen.
36 Denn unsere Brüder, die jetzt kurze Pein erduldet haben,
sind unter Gottes Bund des ewig fließenden Lebens teilhaftig geworden; du aber
wirst nach Gottes Gericht die gerechte Strafe für deinen Hochmut davontragen.
37 Ich aber gebe wie meine Brüder Leib und Seele hin für
die väterlichen Gesetze und rufe Gott an, dass er dem Volk bald gnädig sei und
dass du unter Prüfungen und Plagen bekennen mögest, dass er allein Gott ist,
38 und dass in mir und meinen Brüdern der Zorn des Allmächtigen
zum Stillstand komme, der mit Recht über unser ganzes Geschlecht gebracht
worden ist.
39 Der König aber geriet in Zorn und verfuhr mit diesem
noch grausamer als mit den anderen, weil er die Verhöhnung bitter empfand.
40 So starb auch dieser rein, in vollem Vertrauen auf den
Herrn.
41 Zuletzt aber, nach den Söhnen, starb die Mutter. 42 So
viel sei nun über die Opfermahle und die maßlosen Misshandlungen kundgetan.
Kapitel 8
1 Judas aber, der Makkabäer, und die mit ihm waren,
schlichen sich heimlich in die Dörfer, riefen ihre Verwandten herbei und nahmen
die, die im Judentum verharrt hatten, zu sich, und sammelten so etwa
sechstausend Mann.
2 Und sie riefen den Herrn an, er möge herabschauen auf das
von allen zertretene Volk und sich auch des Tempels erbarmen, der von den
gottlosen Menschen entweiht worden war,
3 sich auch der Stadt zu erbarmen, die zugrunde gerichtet
wurde und dem Erdboden gleichgemacht zu werden drohte, und das Blut zu erhören,
das zu ihm schrie,
4 auch der gesetzwidrigen Vernichtung der unschuldigen
Kinder zu gedenken sowie der Lästerungen, die gegen seinen Namen geschehen
waren, und das Böse zu hassen.
5 Als aber der Makkabäer eine Schar beisammen hatte, wurde
er für die Heiden bereits unwiderstehlich, da sich der Zorn des Herrn in
Erbarmen gewandelt hatte.
6 Städte und Dörfer überfiel er unversehens und brannte sie
nieder, besetzte die günstigen Plätze und schlug nicht wenige der Feinde in die
Flucht;
7 besonders nahm er die Nächte als Helferinnen für solche
Anschläge. Und der Ruf seiner Tapferkeit verbreitete sich überallhin.
8 Als aber Philippus sah, dass der Mann allmählich
Fortschritte machte und immer häufiger Erfolge errang, schrieb er an Ptolemäus,
den Statthalter von Koilesyrien und Phönizien, er
möge der Sache des Königs zu Hilfe kommen.
9 Dieser aber wählte schnell Nikanor, den Sohn des
Patroklos, einen der ersten Freunde, aus und sandte ihn ab, nachdem er ihm
Völker aus allen Stämmen, nicht weniger als zwanzigtausend Mann, unterstellt
hatte, um das ganze Geschlecht der Juden auszurotten; er gab ihm auch Gorgias bei, einen Mann, der Feldherr war und in
Kriegsangelegenheiten Erfahrung hatte.
10 Nikanor aber setzte sich vor, den Tribut, den der König
den Römern schuldete, nämlich zweitausend Talente, aus dem Verkauf gefangener
Juden aufzubringen.
11 Sogleich sandte er in die Küstenstädte und lud zum Kauf
jüdischer Sklaven ein, wobei er versprach, neunzig Leiber für ein Talent
abzugeben – nicht ahnend das Gericht des Allmächtigen, das ihm folgen sollte.
12 Judas aber erhielt Kunde vom Anmarsch Nikanors; und als er den Seinen die Ankunft des Heeres
mitteilte,
13 liefen die Feigen und die, die dem Gericht Gottes nicht
vertrauten, davon und brachten sich weg.
14 Die anderen aber verkauften alles, was ihnen geblieben
war, und baten zugleich den Herrn, die zu erretten, die der gottlose Nikanor
schon vor der Begegnung verkauft hatte;
15 und wenn nicht um ihretwillen, so doch um der Bündnisse
mit ihren Vätern willen und weil sein erhabener und herrlicher Name über ihnen
angerufen worden war.
16 Der Makkabäer aber versammelte die Seinen, sechstausend
an der Zahl, und ermahnte sie, sich vor den Feinden nicht zu entsetzen und die
große Menge der Heiden, die zu Unrecht gegen sie heranzogen, nicht zu fürchten,
sondern tapfer zu kämpfen,
17 indem sie den Frevel vor Augen hielten, den jene
gesetzwidrig an der heiligen Stätte verübt hatten, und die Misshandlung der
verhöhnten Stadt, dazu die Auflösung der von den Vätern ererbten Verfassung.
18 Denn jene, sprach er, vertrauen auf Waffen und zugleich
auf ihre Kühnheit, wir aber vertrauen auf den allmächtigen Gott, der die, die
gegen uns anrücken, und die ganze Welt mit einem einzigen Wink niederwerfen
kann.
19 Er zählte ihnen auch die Hilfeleistungen auf, die zur
Zeit der Vorfahren geschehen waren, und die unter Sanherib, wie
hundertfünfundachtzigtausend umkamen,
20 und die Schlacht in Babylonien gegen die Galater, wie im
Ganzen achttausend zusammen mit viertausend Makedonen in den Kampf zogen, und
als die Makedonen in Bedrängnis waren, die achttausend die
hundertzwanzigtausend vernichteten durch die Hilfe, die ihnen vom Himmel zuteil wurde, und großen Gewinn davontrugen.
21 Nachdem er sie dadurch guten Mutes gemacht hatte und bereit,
für die Gesetze und das Vaterland zu sterben, teilte er das Heer in vier Teile.
22 Er stellte auch seine Brüder als Anführer der einzelnen
Abteilungen auf, Simon, Joseph und Jonathan, und unterstellte jedem
tausendfünfhundert Mann;
23 dazu ließ er Eleasar aus dem heiligen Buch vorlesen, gab
die Losung „Gottes Hilfe“ aus, führte selbst die erste Schar an und griff
Nikanor an.
24 Da ihnen der Allmächtige als Mitstreiter beistand,
machten sie über neuntausend der Feinde nieder, verwundeten und verstümmelten
an den Gliedern den größten Teil von Nikanors Heer
und zwangen alle zur Flucht.
25 Das Geld derer, die zu ihrem Ankauf gekommen waren,
nahmen sie an sich; nachdem sie die Feinde eine gute Strecke verfolgt hatten,
kehrten sie um, weil die Stunde sie dazu zwang.
26 Denn es war der Tag vor dem Sabbat; aus diesem Grund
verfolgten sie sie nicht länger.
27 Nachdem sie die Waffen der Feinde eingesammelt und ihnen
die Beute abgenommen hatten, begingen sie den Sabbat, priesen überschwänglich
und dankten dem Herrn, der sie bis zu diesem Tag errettet und ihnen den Anfang
seines Erbarmens bestimmt hatte.
28 Nach dem Sabbat aber teilten sie den Misshandelten, den
Witwen und Waisen von der Beute zu, das Übrige verteilten sie unter sich und
ihre Kinder.
29 Als sie dies vollbracht und ein gemeinsames Bittgebet
gehalten hatten, baten sie den barmherzigen Herrn, sich mit seinen Knechten
völlig zu versöhnen.
30 Auch im Kampf mit den Leuten des Timotheus und Bakchides töteten sie über zwanzigtausend von ihnen und
bemächtigten sich gar wohl hoher Festungen; die reichliche Beute verteilten sie
zu gleichen Teilen unter sich und die Misshandelten, die Waisen und Witwen,
dazu auch die Alten.
31 Nachdem sie deren Waffen sorgfältig eingesammelt hatten,
brachten sie alles an die geeigneten Orte, den Rest der Beute aber trugen sie
nach Jerusalem.
32 Den Stammesführer der Leute des Timotheus töteten sie,
einen höchst ruchlosen Mann, der den Juden viel Leid zugefügt hatte.
33 Als sie in der Vaterstadt das Siegesfest feierten,
verbrannten sie die, welche die heiligen Tore in Brand gesteckt hatten, Kallisthenes und einige andere, die in ein kleines Haus
geflohen waren; so empfingen sie den ihrer Gottlosigkeit gebührenden Lohn.
34 Der dreifach verruchte Nikanor aber, der die tausend
Händler zum Verkauf der Juden herbeigeführt hatte,
35 wurde durch die Hilfe des Herrn von denen gedemütigt,
die er für die Geringsten hielt; er legte sein Prunkgewand ab, machte sich wie
ein entlaufener Sklave allein durchs Binnenland davon und kam nach Antiochia, überaus
unglücklich über die Vernichtung des Heeres.
36 Und der, der es übernommen hatte, den Tribut für die
Römer aus der Gefangenschaft der Bewohner Jerusalems aufzubringen, verkündete
nun, die Juden hätten Gott zum Streiter, und deshalb seien die Juden
unverwundbar, weil sie den von ihm gebotenen Gesetzen folgten.
Kapitel 9
1 Um jene Zeit aber traf es sich, dass Antiochos in
Unordnung aus den Gegenden Persiens abziehen musste.
2 Er war nämlich in die Stadt eingezogen, die Persepolis
genannt wird, und hatte versucht, den Tempel zu berauben und die Stadt in seine
Gewalt zu bringen. Deshalb griff die Menge zu den Waffen und wehrte sich, und
so geschah es, dass Antiochos, von den Einheimischen in die Flucht geschlagen,
einen schmählichen Rückzug antreten musste.
3 Als er sich bei Ekbatana
befand, erreichte ihn die Nachricht von dem, was Nikanor und den Leuten des
Timotheos widerfahren war.
4 Von Zorn entbrannt
gedachte er, die Bosheit derer, die ihn in die Flucht getrieben hatten, an den
Juden auszulassen; daher befahl er dem Wagenlenker, ohne Unterlass zu fahren
und die Reise zu beschleunigen — dabei begleitete ihn bereits das Gericht des
Himmels. Denn so sprach er in seinem Übermut: „Zu einem Massengrab der Juden
will ich Jerusalem machen, wenn ich dort ankomme.“
5 Aber der allsehende Herr, der Gott Israels, schlug ihn
mit einem unheilbaren und unsichtbaren Schlag: Kaum hatte er das Wort beendet,
da ergriff ihn ein unerträglicher Schmerz in den Eingeweiden und bittere innere
Qualen,
6 ganz gerecht für den, der die Eingeweide anderer mit
vielen und unerhörten Qualen gemartert hatte.
7 Er aber ließ keineswegs von seinem Übermut ab, sondern
war noch voller Hochmut, sprühte Feuer in seinem Zorn gegen die Juden und
befahl, die Fahrt zu beschleunigen. Da geschah es, dass er von dem
dahinrasenden Wagen fiel und durch den schweren Sturz alle Glieder seines
Leibes verrenkt wurden.
8 Er, der eben noch in seiner übermenschlichen Anmaßung den
Wogen des Meeres zu gebieten meinte und glaubte, die Höhen der Berge auf der
Waage wägen zu können, lag nun am Boden und wurde in einer Sänfte getragen und
zeigte so allen offenkundig die Macht Gottes:
9 Denn aus dem Leib des Gottlosen wimmelten Würmer hervor,
und noch bei lebendigem Leibe fiel unter Schmerzen und Qualen sein Fleisch in
Stücken ab, und durch seinen Gestank wurde das ganze Heerlager von der Fäulnis
belästigt.
10 Und ihn, der kurz zuvor die Sterne des Himmels zu
berühren meinte, konnte niemand mehr tragen wegen der unerträglichen Last des
Gestanks.
11 Da nun begann er, gebrochen, von dem Übermaß seines
Hochmuts abzulassen und unter der göttlichen Geißel, während die Schmerzen sich
von Augenblick zu Augenblick steigerten, zur Erkenntnis zu kommen.
12 Und da er nicht einmal seinen eigenen Gestank ertragen
konnte, sprach er: „Es ist recht, sich Gott zu unterwerfen und nicht als
Sterblicher sich hochmütig gottgleich zu dünken.“
13 Und der Verruchte betete zu dem Herrn, der sich seiner
nicht mehr erbarmen sollte, und gelobte:
14 die heilige Stadt, zu der er
eilte, um sie dem Erdboden gleichzumachen und in ein Massengrab zu verwandeln,
für frei zu erklären;
15 die Juden, die er nicht einmal eines Begräbnisses
gewürdigt, sondern samt den Säuglingen den Vögeln und wilden Tieren zum Fraß
vorzuwerfen beschlossen hatte, alle den Athenern gleichzustellen;
16 den heiligen Tempel, den er zuvor geplündert hatte, mit
den schönsten Weihgeschenken zu schmücken und alle heiligen Geräte vielfach zu
ersetzen und die für die Opfer erforderlichen Aufwendungen aus seinen eigenen
Einkünften zu bestreiten;
17 dazu wolle er selbst Jude werden und jeden bewohnten Ort
durchziehen und die Macht Gottes verkünden.
18 Als aber die Schmerzen keineswegs nachließen — denn das
gerechte Gericht Gottes war über ihn gekommen —, gab er die Hoffnung für sich
auf und schrieb an die Juden den nachstehenden Brief, der die Form eines
Bittgesuchs hatte und folgendermaßen lautete:
19 „Den trefflichen Juden, seinen Mitbürgern, entbietet
König und Feldherr Antiochos viele Grüße, Gesundheit und Wohlergehen.
20 Wenn ihr wohlauf seid und eure Kinder und eure
Angelegenheiten nach Wunsch stehen, so danke ich Gott aufs höchste, da ich
meine Hoffnung auf den Himmel setze.
21 Ich aber liege krank danieder und gedenke in Liebe eurer
Ehrerbietung und eures Wohlwollens. Auf der Rückkehr aus den Gegenden Persiens
von einer schweren Krankheit befallen, hielt ich es für notwendig, für die
gemeinsame Sicherheit aller Sorge zu tragen
22 nicht dass ich an mir selbst verzweifelte, vielmehr habe
ich große Hoffnung, der Krankheit zu entrinnen,
23 in der Erwägung jedoch, dass auch mein Vater zu der
Zeit, als er in die oberen Länder zu Felde zog, seinen Nachfolger bestimmte,
24 damit, falls etwas Unerwartetes eintreten oder eine
schlimme Nachricht gemeldet werden sollte, die Bewohner des Landes wüssten, wem
die Regierung überlassen sei, und nicht in Verwirrung gerieten.
25 Da ich zudem bedenke, dass die angrenzenden und dem
Reiche benachbarten Machthaber auf die Gelegenheit lauern und den Ausgang
abwarten, habe ich meinen Sohn Antiochos zum König erklärt, den ich schon oft,
wenn ich in die oberen Satrapien hinaufzog, den meisten von euch anvertraut und
empfohlen habe; ich habe ihm auch das unten Verzeichnete geschrieben.
26 Ich bitte und ersuche euch nun, eingedenk der Wohltaten,
die ihr insgesamt und jeder einzelne empfangen habt, das bestehende Wohlwollen
gegen mich und meinen Sohn zu bewahren.
27 Denn ich bin überzeugt, dass er, meiner Gesinnung mild
und menschenfreundlich folgend, mit euch gut umgehen wird.“
28 So endete der Mörder und Lästerer, nachdem er das
Schlimmste erlitten hatte, wie er es anderen angetan hatte, in der Fremde im
Gebirge durch einen erbärmlichsten Tod sein Leben.
29 Seinen Leichnam aber ließ Philippos, sein
Jugendgefährte, überführen; dieser begab sich dann, da er den Sohn des
Antiochos fürchtete, zu Ptolemaios Philometor nach Ägypten.
Kapitel 10
1 Der Makkabäer aber und die Seinen nahmen,
da der Herr ihnen voranzog, das Heiligtum und die
Stadt wieder in Besitz;
2 die Altäre aber, die von den Fremden auf dem Marktplatz
errichtet worden waren, sowie die heiligen Bezirke rissen sie nieder.
3 Und nachdem sie den Tempel gereinigt hatten, machten sie
einen anderen Brandopferaltar, und indem sie Steine glühend machten und Feuer
daraus nahmen, brachten sie nach zweijähriger Zeit ein Opfer dar und richteten
Räucherwerk, Leuchter und die Schaubrote her.
4 Nachdem sie dies getan hatten, fielen sie auf ihr
Angesicht und baten den Herrn, nicht mehr in solche Übel zu geraten, sondern,
wenn sie je wieder sündigten, von ihm mit Milde gezüchtigt und nicht
lästerlichen und barbarischen Völkern ausgeliefert zu werden.
5 An demselben Tag aber, an dem der Tempel von den Fremden
entweiht worden war, geschah auch die Reinigung des Tempels, am
fünfundzwanzigsten desselben Monats, das ist der Chislew.
6 Und sie feierten mit Freuden acht Tage nach Art des
Laubhüttenfestes, indem sie daran dachten, wie sie kurze Zeit zuvor das
Laubhüttenfest in den Bergen und in den Höhlen nach Art der Tiere verbracht
hatten.
7 Darum trugen sie Thyrsosstäbe und schöne Zweige, dazu
auch Palmzweige, und brachten Lobgesänge dar dem, der es glücklich gefügt
hatte, dass sein Ort gereinigt wurde.
8 Sie beschlossen aber durch gemeinsame Verordnung und
Abstimmung für das ganze Volk der Juden, alljährlich diese Tage zu feiern.
9 So verhielt es sich also mit dem Ende des Antiochus, der
Epiphanes genannt wurde.
10 Nun aber wollen wir die Ereignisse unter Antiochus
Eupator, dem Sohn des Gottlosen, darlegen, indem wir die Übel der Kriege kurz
zusammenfassen.
11 Denn als dieser die Königsherrschaft übernommen hatte,
setzte er einen gewissen Lysias über die Staatsgeschäfte,
als obersten Befehlshaber über Koilesyrien und
Phönizien.
12 Ptolemäus nämlich, genannt Makron, der es sich zum
Grundsatz gemacht hatte, gegenüber den Juden das Recht zu wahren wegen des
Unrechts, das ihnen geschehen war, versuchte die Angelegenheiten mit ihnen
friedlich zu regeln.
13 Deshalb wurde er von den Freunden beim Eupator verklagt
und hörte sich bei jeder Gelegenheit einen Verräter nennen, weil er Zypern, das
ihm von Philometor anvertraut worden war, verlassen
hatte und zu Antiochus Epiphanes übergegangen war; und da er sein Amt nicht in
Ehren führen konnte, nahm er aus Verzweiflung Gift und schied aus dem Leben.
14 Gorgias aber, der Befehlshaber
jener Gegenden geworden war, hielt Söldner und führte bei jeder Gelegenheit
Krieg gegen die Juden.
15 Zugleich mit ihm bedrängten auch die Idumäer, die
günstig gelegene Festungen innehatten, die Juden, und indem sie die aus
Jerusalem Vertriebenen aufnahmen, versuchten sie, den Krieg zu nähren.
16 Die Leute um den Makkabäer aber hielten ein Bittgebet
und flehten Gott an, ihr Bundesgenosse zu sein, und stürmten gegen die
Festungen der Idumäer los;
17 sie griffen sie kräftig an, bemächtigten sich der
Plätze, wehrten alle ab, die auf der Mauer kämpften, machten die nieder, die
ihnen in die Hände fielen, und töteten nicht weniger als zwanzigtausend.
18 Da aber nicht weniger als neuntausend in zwei sehr
starke Türme geflohen waren, die mit allem zur Belagerung Nötigen versehen
waren,
19 ließ der Makkabäer Simon und Josef, dazu auch Zachäus
und die Seinen, die zu deren Belagerung ausreichten, zurück und zog selbst an
dringlichere Orte.
20 Die Leute um Simon aber ließen sich aus Geldgier von
einigen in den Türmen mit Silber bestechen; sie nahmen siebzigtausend Drachmen
und ließen einige entkommen.
21 Als dem Makkabäer das Geschehene gemeldet wurde,
versammelte er die Anführer des Volkes und klagte jene an, sie hätten die
Brüder für Geld verkauft, indem sie die Feinde gegen sie freigelassen hätten.
22 Diese also, die zu Verrätern geworden waren, ließ er
hinrichten und nahm sogleich die beiden Türme ein.
23 Da ihm mit den Waffen in den Händen alles gelang,
vernichtete er in den beiden Festungen mehr als zwanzigtausend.
24 Timotheus aber, der zuvor von den Juden besiegt worden
war, sammelte fremde Truppen in großer Menge, brachte nicht wenige Pferde aus
Asien zusammen und rückte heran, um Judäa mit Waffengewalt zu erobern.
25 Als er sich näherte, wandten sich die Leute um den
Makkabäer zum Flehen an Gott, streuten Erde auf ihre Häupter und umgürteten
ihre Lenden mit Sackleinen,
26 warfen sich vor der Stufe gegenüber dem Altar nieder und
baten, er möge ihnen gnädig sein und ihren Feinden feindlich und ihren
Widersachern widersacherisch begegnen, wie das Gesetz
es klar bestimmt.
27 Nach dem Gebet aber ergriffen sie die Waffen und zogen
weit von der Stadt hinaus; als sie sich den Feinden näherten, machten sie halt.
28 Kaum aber brach die Morgenröte an, da griffen beide
Seiten an: die einen hatten neben ihrer Tapferkeit die Zuflucht zum Herrn als
Bürgschaft für Gelingen und Sieg, die anderen machten den Zorn zum Anführer
ihrer Kämpfe.
29 Als aber ein heftiger Kampf entstanden war, erschienen
den Gegnern vom Himmel her fünf herrliche Männer auf Pferden mit goldenen
Zügeln, die den Juden voranzogen;
30 sie nahmen auch den Makkabäer in ihre Mitte, deckten ihn
mit ihren Rüstungen und bewahrten ihn unverwundet, gegen die Gegner aber
schleuderten sie Pfeile und Blitze; darum wurden diese, von Blindheit verwirrt
und voller Bestürzung, niedergemacht.
31 Es wurden aber zwanzigtausendfünfhundert
niedergemetzelt, dazu sechshundert Reiter.
32 Timotheus selbst aber floh in eine Festung namens Gazara, ein sehr starkes Bollwerk, wo Chaireas
den Befehl führte.
33 Die Leute um den Makkabäer aber belagerten die Festung
freudig vier Tage lang. 34 Die drinnen aber, im Vertrauen auf die Stärke des
Ortes, lästerten über die Maßen und stießen frevelhafte Reden aus. 35 Als aber
der fünfte Tag anbrach, griffen zwanzig junge Männer aus dem Gefolge des
Makkabäers, deren Zorn über die Lästerungen entbrannt war, mannhaft die Mauer
an und schlugen mit wildem Grimm jeden nieder, der ihnen in den Weg kam.
36 Andere stiegen ebenso hinauf, während die drinnen
abgelenkt waren, steckten die Türme in Brand, zündeten Feuer an und verbrannten
die Lästerer bei lebendigem Leibe. Wieder andere brachen die Tore auf, ließen
das übrige Heer ein und nahmen die Stadt.
37 Und den Timotheus, der sich in einer Zisterne versteckt
hatte, machten sie nieder, dazu seinen Bruder Chaireas und den Apollophanes.
38 Nachdem sie dies vollbracht hatten, priesen sie mit
Lobgesängen und Danksagungen den Herrn, der Israel große Wohltaten erweist und
ihnen den Sieg verleiht.
Kapitel 11
Kurze Zeit danach aber kam Lysias, der Vormund des Königs
und sein Verwandter und der Vorsteher der Geschäfte, der über das Geschehene
sehr erzürnt war,
2 nachdem er etwa achtzigtausend Mann und die gesamte
Reiterei zusammengezogen hatte, gegen die Juden, in der Absicht, die Stadt den
Griechen zur Wohnstätte zu machen,
3 das Heiligtum aber, wie die übrigen Tempelbezirke der
Völker, zu einer Geldquelle zu machen und das Hohepriesteramt jährlich zu
verkaufen,
4 wobei er keineswegs die Macht Gottes bedachte, sondern im
Übermut war wegen der Zehntausende des Fußvolks und der Tausende der Reiter und
der achtzig Elefanten.
5 Als er aber nach
Judäa eingedrungen war und sich Bethsura näherte, das
zwar ein fester Ort ist, von Jerusalem aber etwa fünf Stadien entfernt liegt,
bedrängte er diesen.
6 Als aber die Leute
des Makkabäus erfuhren, dass er die Festungen belagerte, flehten sie mit
Wehklagen und Tränen samt den Scharen den Herrn an, einen guten Engel zur
Rettung Israels zu senden.
7 Er selbst aber, der Makkabäus, ergriff zuerst die Waffen
und ermutigte die anderen, zugleich mit ihm die Gefahr zu bestehen und ihren
Brüdern zu Hilfe zu eilen; und gemeinsam und eifrig brachen sie auf.
8 Als sie aber dort und schon in der Nähe Jerusalems waren,
erschien ihnen voran ein Reiter in weißem Gewand, der eine goldene Rüstung
schwang.
9 Zugleich aber priesen alle den barmherzigen Gott und
wurden gestärkt an ihren Seelen, bereit, nicht nur Menschen, sondern auch die
wildesten Tiere und eiserne Mauern zu verwunden,
10 zogen sie in Schlachtordnung voran, indem sie den
Bundesgenossen vom Himmel hatten, da der Herr sich ihrer erbarmt hatte.
11 Wie Löwen aber stürzten sie sich auf die Feinde und
streckten elftausend von ihnen nieder, dazu sechzehnhundert Reiter; alle aber
zwangen sie zur Flucht.
12 Die meisten von ihnen aber entkamen verwundet und ihrer
Waffen beraubt, und auch Lysias selbst entkam
schmählich fliehend.
13 Da er aber nicht unverständig war, erwog er bei sich das
Geschehene, die Niederlage, die ihn betroffen hatte, und erkannte, dass die
Hebräer unbesiegbar seien, da der allmächtige Gott ihnen beistand; und er
sandte wiederum Gesandte
14 und überredete sie, sich auf alle gerechten Bedingungen
hin zu versöhnen, und dass er auch den König überreden werde, ihr Freund zu werden.
15 Der Makkabäus aber stimmte allem zu, worum Lysias bat, da er auf das Nützliche bedacht war; denn
alles, was der Makkabäus dem Lysias schriftlich über
die Juden zugestand, bewilligte der König.
16 Denn die Briefe, die den Juden geschrieben wurden,
lauteten von Seiten des Lysias folgendermaßen: „Lysias entbietet der Menge der Juden seinen Gruß.
17 Johannes und Abessalom, die von euch Gesandten, haben,
nachdem sie die unten geschriebene Urkunde übergeben hatten, um das gebeten,
was durch sie bezeichnet wird.
18 Was nun dem König vorgelegt werden musste, habe ich
dargelegt; was aber möglich war, hat er bewilligt.
19 Wenn ihr nun euer Wohlwollen gegenüber den Geschäften
bewahrt, werde ich auch künftig versuchen, euch eine Ursache von Gutem zu sein.
20 Über die Einzelheiten aber habe ich diesen und meinen
Leuten aufgetragen, mit euch zu verhandeln.
22 Der Brief des Königs aber enthielt Folgendes: „König
Antiochus entbietet seinem Bruder Lysias seinen Gruß.
23 Da unser Vater zu den Göttern übergegangen ist, wollen
wir, dass die aus dem Reich, ungestört, sich der Sorge um die eigenen
Angelegenheiten widmen können;
24 da wir gehört haben, dass die Juden der Umstellung des
Vaters auf die griechischen Sitten nicht zustimmen, sondern ihre eigene
Lebensweise vorziehen und deshalb fordern, dass ihnen ihre Gesetze zugestanden
werden;
25 so beschließen wir, da wir auch dieses Volk außerhalb
von Unruhe wissen wollen, dass ihnen das Heiligtum wiederhergestellt werde und
dass sie nach den Sitten ihrer Vorfahren leben sollen.
26 Du wirst also gut daran tun, zu ihnen zu senden und
ihnen die Rechte zu geben, damit sie, da sie unsere Gesinnung kennen, guten
Mutes seien und sich gerne der Pflege ihrer eigenen Angelegenheiten widmen.“
27 An das Volk aber war der Brief des Königs folgender:
„König Antiochus entbietet dem Rat der Juden und den übrigen Juden seinen Gruß.
28 Wenn es euch gut geht, so ist es, wie wir es wünschen;
auch wir selbst sind gesund.
29 Menelaos hat uns angezeigt, dass ihr wünscht,
heimzukehren und euch euren Angelegenheiten zu widmen.
30 Denen nun, die bis zum dreißigsten Xanthikos
heimkehren, soll die Rechte mit der Sicherheit gewährt werden,
31 dass die Juden ihre eigenen Ausgaben und Gesetze
gebrauchen dürfen, wie auch früher, und keiner von ihnen wird in irgendeiner
Weise wegen des Vergangenen belästigt werden.
32 Ich habe aber auch Menelaos gesandt, um euch zu
ermutigen. 33 Lebt wohl. Im Jahre 148, am fünfzehnten Tag des Xanthikos.“
34 Es sandten aber auch die Römer einen Brief an sie, der
so lautete: „Quintus Memmius, Titus Manlius, Gesandte der Römer, entbieten dem
Volk der Juden ihren Gruß.
35 Was Lysias, der Verwandte des
Königs, euch bewilligt hat, dem stimmen auch wir zu.
36 Was er aber beschlossen hat, dem König vorzutragen,
darüber sendet sogleich jemanden, der diese Dinge prüft, damit wir es so
darlegen, wie es euch zukommt; denn wir ziehen nach Antiochia.
37 Darum eilt und sendet einige, damit auch wir erkennen,
welcher Gesinnung ihr seid.
Kapitel 12
1 Nachdem diese Verträge geschlossen worden waren, zog
Lysias zum König ab, die Juden aber gingen an den Ackerbau.
2 Doch von den Befehlshabern vor Ort ließen Timotheus und
Apollonius, der Sohn des Gennäus, ferner Hieronymus
und Demophon, dazu Nikanor, der Kypriarch,
sie nicht in Ruhe und Frieden leben.
3 Die Leute von Joppe aber verübten folgende große
Freveltat: Sie forderten die bei ihnen wohnenden Juden auf, mit Frauen und
Kindern die von ihnen bereitgestellten Boote zu besteigen, als bestünde
keinerlei Feindschaft gegen sie,
4 gemäß einem gemeinsamen Beschluss der Stadt. Als jene
darauf eingingen, da sie in Frieden leben wollten und keinen Verdacht hegten,
fuhren sie mit ihnen hinaus aufs Meer und ertränkten sie, nicht weniger als
zweihundert.
5 Als Judas von dieser an seinen Volksgenossen verübten
Grausamkeit erfuhr, gab er seinen Männern Befehl,
6 und nachdem er Gott, den gerechten Richter, angerufen
hatte, zog er gegen die Mörder seiner Brüder; er steckte den Hafen bei Nacht in
Brand, verbrannte die Boote und erstach die, die sich dorthin geflüchtet
hatten.
7 Da aber der Ort verschlossen war, zog er ab, in der
Absicht wiederzukommen und das ganze Gemeinwesen der Joppiter
auszurotten.
8 Als er aber erfuhr, dass auch die Leute von Jamnia auf dieselbe Weise mit den bei ihnen wohnenden Juden
verfahren wollten,
9 überfiel er die Jamniter bei
Nacht und zündete den Hafen samt der Flotte an, sodass der Schein des Feuers
bis nach Jerusalem sichtbar war, das zweihundertvierzig Stadien entfernt liegt.
10 Als sie von dort neun Stadien weitergezogen waren auf
dem Marsch gegen Timotheus, griffen ihn Araber an, nicht weniger als
fünftausend Mann und fünfhundert Reiter.
11 Es kam zu einem heftigen Kampf, und da die Leute des
Judas durch Gottes Hilfe die Oberhand gewannen, baten die unterlegenen
arabischen Nomaden, Judas möge ihnen die Rechte reichen, und versprachen, Vieh
zu geben und ihnen auch sonst nützlich zu sein.
12 Judas aber, in der Annahme, dass sie ihnen wirklich in
vielem nützlich sein könnten, willigte ein, Frieden mit ihnen zu halten; und
nachdem sie die Rechte empfangen hatten, zogen sie in ihre Zelte ab.
13 Er griff auch eine gewisse Stadt an, die durch Erdwälle
befestigt, mit Mauern umgeben und von einer Bevölkerung aus allerlei Völkern
bewohnt war, mit Namen Kaspin.
14 Die drinnen aber, im Vertrauen auf die Festigkeit der
Mauern und den Vorrat an Lebensmitteln, verhielten sich überaus frech gegen die
Leute des Judas, schmähten sie, lästerten obendrein und redeten, was nicht
recht ist.
15 Die Männer des Judas aber riefen den großen Herrscher
der Welt an, der zu den Zeiten Josuas ohne Widder und Kriegsmaschinen Jericho
niedergestürzt hatte, und stürmten wild gegen die Mauer an.
16 Nachdem sie die Stadt nach Gottes Willen eingenommen
hatten, richteten sie ein unbeschreibliches Blutbad an, sodass der nahegelegene
See, der zwei Stadien breit war, wie mit Blut überströmt und angefüllt
erschien.
17 Von dort zogen sie siebenhundertfünfzig Stadien weiter
und gelangten nach Charax zu den sogenannten tubianischen Juden.
18 Timotheus trafen sie in jener Gegend nicht an; er war
unverrichteter Dinge von dort abgezogen, hatte aber an einem Ort eine sehr
starke Besatzung zurückgelassen.
19 Dositheus und Sosipater,
Anführer aus dem Gefolge des Makkabäers, rückten aus und töteten die von
Timotheus in der Festung Zurückgelassenen, mehr als zehntausend Mann.
20 Der Makkabäer aber gliederte sein Heer in Abteilungen,
setzte Befehlshaber über die Abteilungen und rückte gegen Timotheus vor, der
hundertzwanzigtausend Mann Fußvolk und tausendfünfhundert Reiter um sich hatte.
21 Als Timotheus vom Anmarsch des Judas erfuhr, schickte er
die Frauen und Kinder und den übrigen Tross voraus an den Ort, der Karnion heißt; denn der Ort war schwer zu belagern und
schwer zugänglich wegen der Enge aller Zugänge.
22 Als aber die erste Abteilung des Judas erschien und
Schrecken über die Feinde kam und Furcht sie befiel infolge der Erscheinung
dessen, der alles sieht, stürzten sie in die Flucht, der eine hierhin, der
andere dorthin, sodass sie oftmals von den eigenen Leuten verwundet und von den
Spitzen der Schwerter durchbohrt wurden.
23 Judas aber setzte die Verfolgung umso nachdrücklicher
fort, machte die Frevler nieder und vernichtete an die dreißigtausend Mann.
24 Timotheus selbst aber, der den Leuten des Dositheus und Sosipater in die Hände fiel, bat mit vieler List, man möge
ihn heil entlassen, weil er von vielen die Eltern und von manchen die Brüder in
seiner Gewalt habe, denen es sonst übel ergehen werde, wenn er sterben sollte.
25 Nachdem er mit vielen Worten die Zusage bekräftigt
hatte, jene unversehrt zurückzugeben, ließen sie ihn frei um der Rettung ihrer
Brüder willen.
26 Judas aber zog aus gegen Karnion
und das Atargateion und machte fünfundzwanzigtausend
Menschen nieder.
27 Nach deren Niederlage und Vernichtung zog Judas auch
gegen Ephron, eine feste Stadt, in der Lysias wohnte
und Volksmengen aus allerlei Stämmen; kräftige junge Männer, die vor den Mauern
aufgestellt waren, kämpften tapfer, und es gab dort große Vorräte an
Kriegsmaschinen und Geschossen.
28 Sie aber riefen den Herrscher an, der mit Macht die
Kräfte der Feinde zerschmettert, nahmen die Stadt ein und streckten von denen
drinnen an die fünfundzwanzigtausend nieder.
29 Von dort aufbrechend, zogen sie gegen die Stadt der
Skythen, die sechshundert Stadien von Jerusalem entfernt liegt.
30 Da aber die dort wohnenden Juden bezeugten, welches
Wohlwollen die Skythopoliten ihnen erwiesen hatten
und dass sie ihnen auch in den Zeiten des Unglücks freundlich begegnet waren,
31 dankten sie ihnen, ermahnten sie, auch künftig ihrem
Volk wohlgesinnt zu sein, und kamen nach Jerusalem, da das Wochenfest
unmittelbar bevorstand.
32 Nach dem sogenannten Pfingstfest aber zogen sie gegen Gorgias, den Befehlshaber von Idumäa.
33 Er rückte aus mit dreitausend Mann Fußvolk und
vierhundert Reitern,
34 und als es zur Schlacht kam, fielen einige wenige von
den Juden.
35 Ein gewisser Dositheus aber, einer von den Leuten des Bakenor, ein berittener und starker Mann, hatte Gorgias
gepackt, hielt ihn am Mantel fest und schleppte ihn mit Gewalt fort, um den
Verfluchten lebendig gefangen zu nehmen; doch einer der thrakischen Reiter
stürzte sich auf ihn und hieb ihm die Schulter ab, und Gorgias
entkam nach Marisa.
36 Da die Leute des Esdris schon
lange kämpften und erschöpft waren, rief Judas den Herrn an, er möge sich als
Mitstreiter und Anführer im Kampf erweisen.
37 Dann stimmte er in der Sprache der Väter den Schlachtruf
mit Lobgesängen an, brach mit lautem Geschrei unversehens über die Leute des Gorgias herein und schlug sie in die Flucht.
38 Judas aber sammelte das Heer und führte es in die Stadt Odollam; und da der siebte Tag anbrach, reinigten sie sich
dort nach dem Brauch und verbrachten den Sabbat.
39 Am folgenden Tag aber kamen die Leute des Judas, wie es
notwendig geworden war, um die Leichen der Gefallenen zu bergen und sie mit
ihren Verwandten in den Gräbern der Väter beizusetzen.
40 Sie fanden aber bei jedem der Gefallenen unter den
Gewändern Weihegegenstände der Götzenbilder von Jamnia,
die den Juden durch das Gesetz verboten sind; da wurde allen klar, dass diese
aus diesem Grunde gefallen waren.
41 Alle priesen nun das Walten des Herrn, des gerechten
Richters, der das Verborgene offenbar macht,
42 und wandten sich zum flehentlichen Gebet mit der Bitte,
die geschehene Sünde möge völlig getilgt werden. Der edle Judas aber ermahnte
die Menge, sich frei von Sünde zu bewahren, da sie mit eigenen Augen gesehen
hatten, was infolge der Sünde der Gefallenen geschehen war.
43 Und nachdem er eine Sammlung unter den Männern
veranstaltet hatte, die zweitausend Silberdrachmen einbrachte, schickte er sie
nach Jerusalem, damit ein Sündopfer dargebracht
werde; damit handelte er sehr gut und edel, da er an die Auferstehung dachte.
44 Denn hätte er nicht erwartet, dass die Gefallenen
auferstehen würden, so wäre es überflüssig und töricht gewesen, für die Toten
zu beten.
45 Zudem bedachte er, dass denen, die in Frömmigkeit
entschlafen sind, der herrlichste Gnadenlohn bereitliegt – ein heiliger und
frommer Gedanke. Darum ließ er für die Verstorbenen das Sühnopfer darbringen,
damit sie von der Sünde befreit würden.
Kapitel 13
1 Im hundertneunundvierzigsten Jahr kam den Leuten um Judas
die Nachricht zu, dass Antiochus Eupator mit Heeresmassen gegen Judäa
heranziehe,
2 und mit ihm Lysias, sein
Vormund und Reichsverweser, jeder mit einer griechischen Streitmacht von
hundertzehntausend Mann Fußvolk, fünftausenddreihundert Reitern, zweiundzwanzig
Elefanten und dreihundert Sichelwagen.
3 Auch Menelaos schloss sich ihnen an und redete mit großer
Verstellung dem Antiochus zu, nicht zur Rettung des Vaterlandes, sondern in der
Meinung, er werde in sein Amt eingesetzt werden.
4 Doch der König der Könige erweckte den Zorn des Antiochus
gegen den Frevler, und als Lysias darlegte, dass
dieser an allen Übeln schuld sei, befahl er, ihn nach Beröa
zu führen und dort umzubringen, wie es an jenem Ort Brauch ist.
5 Es gibt nämlich an dem Ort einen fünfzig Ellen hohen Turm
voll Asche; dieser hatte eine drehbare Vorrichtung, die von allen Seiten steil
in die Asche abfiel.
6 Dort stoßen alle
den, der des Tempelraubs schuldig ist oder sich sonst in gewissen Verbrechen
hervorgetan hat, in den Untergang.
7 Durch ein solches Geschick musste der Gesetzlose sterben
– Menelaos, der nicht einmal ein Begräbnis in der Erde erhielt –, und das ganz
mit Recht.
8 Denn da er viele Sünden am Altar begangen hatte, dessen Feuer
und Asche heilig waren, fand er in Asche seinen Tod.
9 Der König aber, verroht in seinen Gesinnungen, kam heran,
um den Juden das Schlimmste von dem zu zeigen, was unter seinem Vater geschehen
war.
10 Als Judas dies erfuhr, gebot er dem Volk, Tag und Nacht
den Herrn anzurufen, dass er, wenn je zuvor, so auch jetzt denen zu Hilfe
komme, die des Gesetzes, des Vaterlandes und des heiligen Tempels beraubt zu
werden drohten,
11 und dass er das Volk, das eben erst ein wenig aufgeatmet
hatte, nicht den lästerlichen Heiden in die Hände fallen lasse.
12 Als alle gemeinsam dasselbe taten und den barmherzigen
Herrn mit Weinen, Fasten und Niederfallen drei Tage lang unablässig anflehten,
sprach Judas ihnen Mut zu und befahl ihnen, sich bereitzuhalten.
13 Als er sich allein mit den Ältesten beriet, beschloss
er, auszurücken und die Entscheidung mit der Hilfe des Herrn zu suchen, bevor
das Heer des Königs in Judäa einfalle und sich der Stadt bemächtige.
14 Er stellte die Entscheidung dem Schöpfer der Welt
anheim, ermahnte seine Leute, tapfer bis zum Tod für die Gesetze, den Tempel,
die Stadt, das Vaterland und die Verfassung zu kämpfen, und schlug bei Modeïn sein Lager auf.
15 Er gab den Seinen die Losung „Sieg Gottes“, überfiel mit
auserlesenen besten Jünglingen bei Nacht das königliche Zeltlager, erschlug im
Lager an die viertausend Mann und machte den größten der Elefanten samt der
Besatzung seines Turmes nieder;
16 schließlich erfüllten sie das Lager mit Furcht und
Verwirrung und zogen siegreich ab.
17 Als der Tag schon anbrach, war dies vollbracht dank des
schützenden Beistands des Herrn.
18 Der König aber, der einen Vorgeschmack von der Kühnheit
der Juden bekommen hatte, versuchte die Plätze mit List zu nehmen.
19 Er rückte gegen Bethsura vor,
eine starke Festung der Juden, wurde aber zurückgeschlagen, stieß auf
Widerstand, erlitt Verluste;
20 den Belagerten aber schickte Judas das Nötige hinein.
21 Doch Rhodokos aus den Reihen der Juden verriet den
Feinden die Geheimnisse; er wurde aufgespürt, ergriffen und eingekerkert.
22 Der König verhandelte zum zweiten Mal mit den Leuten in Bethsura, reichte die Hand, empfing sie, zog ab, griff die
Leute des Judas an, unterlag,
23 erfuhr, dass Philippus, der in Antiochia als
Reichsverweser zurückgelassen worden war, abgefallen sei, geriet in Bestürzung,
verhandelte gütlich mit den Juden, gab nach und schwor auf alle billigen
Bedingungen, versöhnte sich, brachte ein Opfer dar, ehrte den Tempel und erwies
dem Ort Wohlwollen
24 und nahm den Makkabäer freundlich auf. Er ließ Hegemonides als Befehlshaber über das Gebiet von Ptolemaïs bis zu den Gerrenern
zurück.
25 Er kam nach Ptolemaïs; die
Bewohner von Ptolemaïs waren unwillig über die
Verträge, denn sie waren erbittert und wollten die Abmachungen aufheben.
26 Da trat Lysias
auf die Rednerbühne, verteidigte sich, so gut es ging, überzeugte sie,
beschwichtigte sie, stimmte sie wohlwollend und kehrte nach Antiochia zurück.
So verliefen der Anmarsch und der Abzug des Koen
Kapitel 15
1 Nikanor aber, der erfahren hatte, dass Judas und seine
Leute sich in den Gegenden um Samaria aufhielten, beschloss, sie am Ruhetag in
aller Sicherheit anzugreifen.
2 Als aber die Juden, die ihm gezwungenermaßen folgten,
sagten: „Vernichte sie keinesfalls so wild und barbarisch, sondern erweise dem
Tag Ehre, der von dem, der alles überschaut, mit Heiligkeit ausgezeichnet
worden ist,“
3 fragte der dreimal Verfluchte: „Gibt es einen Herrscher
im Himmel, der befohlen hat, den Sabbattag zu halten?“
4 Als sie erklärten: „Es ist der lebendige Herr selbst, der
Herrscher im Himmel, der geboten hat, den siebten Tag zu heiligen,“
5 sagte der andere: „Und ich bin ein Herrscher auf Erden,
der befiehlt, die Waffen zu ergreifen und die königlichen Dienste zu
vollziehen.“ Dennoch gelang es ihm nicht, sein ruchloses Vorhaben auszuführen.
6 Und Nikanor, der in aller Prahlerei hochmütig den Nacken
reckte, hatte beschlossen, ein öffentliches Siegeszeichen über Judas und seine
Leute zu errichten.
7 Der Makkabäer aber vertraute unablässig mit aller
Hoffnung darauf, Beistand vom Herrn zu erlangen,
8 und ermahnte die Seinen, den Angriff der Heiden nicht zu
fürchten, sondern, die früheren Hilfen vom Himmel im Sinn behaltend, auch jetzt
den Sieg und die Hilfe zu erwarten, die ihnen vom Allmächtigen zuteil werden würden.
9 Und indem er sie aus dem Gesetz und den Propheten
tröstete und sie zudem an die Kämpfe erinnerte, die sie bestanden hatten,
machte er sie noch mutiger.
10 Und nachdem er ihren Mut entflammt hatte, gab er ihnen
seine Befehle, wobei er zugleich die Treulosigkeit der Heiden und ihren Bruch
der Eide aufzeigte.
11 Er rüstete einen jeden von ihnen nicht so sehr mit der
Sicherheit von Schilden und Lanzen als mit der Ermutigung durch gute Worte, und
indem er zudem einen glaubwürdigen Traum erzählte, erfreute er alle über die
Maßen.
12 Das Gesicht aber war folgendes: Onias,
der gewesene Hohepriester, ein edler und guter Mann, bescheiden im Umgang,
sanft in seiner Art, von geziemender Rede und von Kindheit an in allem geübt,
was zur Tugend gehört, streckte die Hände aus und betete für die ganze
Gemeinschaft der Juden.
13 Danach sei in gleicher Weise ein Mann erschienen,
ausgezeichnet durch graues Haar und Würde, und wunderbar und höchst prächtig
sei die Hoheit um ihn gewesen.
14 Onias aber habe geantwortet
und gesagt: „Dies ist der Bruderfreund, der viel für das Volk und die heilige Stadt betet, Jeremia, der Prophet Gottes.“
15 Jeremia aber habe die Rechte ausgestreckt und dem Judas
ein goldenes Schwert übergeben, und bei der Übergabe habe er so gesprochen:
16 „Nimm das heilige Schwert als Gabe von Gott, mit dem du
die Widersacher zerschmettern wirst.“
17 Ermutigt durch die Worte des Judas, die sehr schön waren
und imstande, zur Tugend anzuspornen und die Seelen der Jungen aufzurichten,
beschlossen sie, kein Lager zu schlagen, sondern tapfer anzugreifen und mit
aller Mannhaftigkeit im Handgemenge die Sache zu entscheiden, weil die Stadt,
das Heiligtum und der Tempel in Gefahr waren.
18 Denn die Sorge um Frauen und Kinder, dazu um Brüder und
Verwandte, lag ihnen weniger am Herzen; die größte und erste Furcht aber galt
dem geheiligten Tempel.
19 Auch für die in der Stadt Eingeschlossenen war die Angst
nicht gering, da sie über den Kampf auf freiem Feld beunruhigt waren.
20 Und als schon alle die bevorstehende Entscheidung
erwarteten und die Feinde sich schon näherten und das Heer aufgestellt war und
die Tiere an geeigneter Stelle postiert und die Reiterei an den Flügeln
geordnet war,
21 da erblickte der Makkabäer das Herannahen der Massen,
die mannigfaltige Ausrüstung der Waffen und die Wildheit der Tiere, streckte
die Hände zum Himmel und rief den wundertätigen Herrn an, den Allschauenden,
wissend, dass der Sieg nicht durch Waffen kommt, sondern dass er, wie es ihm
gut scheint, den Würdigen den Sieg verschafft.
22 Er sprach aber in seiner Anrufung folgendermaßen: „Du,
Herr, hast deinen Engel gesandt zur Zeit Hiskias, des Königs von Judäa, und er
erschlug aus dem Lager Sanheribs
hundertfünfundachtzigtausend Mann.
23 So sende auch
jetzt, Herrscher der Himmel, einen guten Engel vor uns her zu Furcht und
Zittern.
24 Durch die Größe deines Armes mögen die erschreckt
werden, die mit Lästerung gegen dein heiliges Volk gekommen sind.“ Und damit
schloss er.
25 Die Leute Nikanors rückten mit
Trompeten und Schlachtgesängen heran.
26 Die Leute des Judas aber trafen unter Anrufung und
Gebeten auf die Feinde
27 und streckten, mit den Händen kämpfend, mit den Herzen
aber zu Gott betend, nicht weniger als fünfunddreißigtausend nieder,
hocherfreut über die Erscheinung Gottes.
28 Als sie aber vom Kampf zurückkehrten und mit Freude
abzogen, erkannten sie den Nikanor, der in voller Rüstung gefallen war.
29 Da erhob sich Geschrei und Getümmel, und sie priesen den
Herrscher in der Sprache der Väter.
30 Und der, der mit Leib und Seele ganz der erste
Vorkämpfer für seine Mitbürger war, der das Wohlwollen seiner Jugend gegenüber
seinen Volksgenossen bewahrt hatte, befahl, den Kopf des Nikanor abzuschlagen
und die Hand samt dem Arm nach Jerusalem zu bringen.
31 Dort angekommen, rief er seine Volksgenossen zusammen,
stellte die Priester vor den Altar und ließ die Leute aus der Burg holen.
32 Und er zeigte ihnen den Kopf des ruchlosen Nikanor und
die Hand des Lästerers, die dieser gegen das heilige Haus des Allmächtigen ausgestreckt
und hochmütig geprahlt hatte,
33 und die Zunge des gottlosen Nikanor schnitt er heraus
und sagte, er werde sie stückweise den Vögeln geben, den Lohn seines
Unverstandes aber gegenüber dem Tempel aufhängen.
34 Alle aber priesen zum Himmel hin den erschienenen Herrn
und sprachen: „Gepriesen sei der, der seine Stätte unbefleckt bewahrt hat.“
35 Den Kopf des Nikanor aber hängte er an der Burg auf,
allen sichtbar und offenkundig als Zeichen der Hilfe des Herrn.
36 Und alle beschlossen durch gemeinsamen Beschluss, diesen
Tag keinesfalls unbezeichnet zu lassen, sondern den dreizehnten des zwölften
Monats, er heißt in der syrischen Sprache „Adar“ als Festtag zu halten, einen
Tag vor dem Mordechai-Tag.
37 Da nun die Ereignisse um Nikanor so verlaufen sind und
seit jenen Zeiten die Stadt in der Gewalt der Hebräer war, will auch ich hier
meine Erzählung beenden. 38 Und wenn sie gut und treffend abgefasst ist, so war
das auch mein Wunsch; wenn aber dürftig und mittelmäßig, so war dies das, was
mir erreichbar war.
39 Denn wie es unbekömmlich ist, Wein allein zu trinken,
und ebenso wiederum Wasser, wie aber Wein, mit Wasser gemischt, angenehm ist
und eine wohltuende Wirkung hervorbringt, so erfreut auch die kunstvolle
Gestaltung der Rede die Ohren derer, die die Erzählung lesen. Hier aber soll
das Ende sein.
Kapitel 15
1 Nikanor aber, der erfahren hatte, dass Judas und seine
Leute sich in den Gegenden um Samaria aufhielten, beschloss, sie am Ruhetag in
aller Sicherheit anzugreifen.
2 Als aber die
Juden, die ihm gezwungenermaßen folgten, sagten: „Vernichte sie keinesfalls so
wild und barbarisch, sondern erweise dem Tag Ehre, der von dem, der alles
überschaut, mit Heiligkeit ausgezeichnet worden ist,“
3 fragte der dreimal Verfluchte: „Gibt es einen Herrscher
im Himmel, der befohlen hat, den Sabbattag zu halten?“
4 Als sie erklärten: „Es ist der lebendige Herr selbst, der
Herrscher im Himmel, der geboten hat, den siebten Tag zu heiligen,“
5 sagte der andere: „Und ich bin ein Herrscher auf Erden,
der befiehlt, die Waffen zu ergreifen und die königlichen Dienste zu
vollziehen.“ Dennoch gelang es ihm nicht, sein ruchloses Vorhaben auszuführen.
6 Und Nikanor, der in aller Prahlerei hochmütig den Nacken
reckte, hatte beschlossen, ein öffentliches Siegeszeichen über Judas und seine
Leute zu errichten.
7 Der Makkabäer aber vertraute unablässig mit aller
Hoffnung darauf, Beistand vom Herrn zu erlangen,
8 und ermahnte die Seinen, den Angriff der Heiden nicht zu
fürchten, sondern, die früheren Hilfen vom Himmel im Sinn behaltend, auch jetzt
den Sieg und die Hilfe zu erwarten, die ihnen vom Allmächtigen zuteil werden würden.
9 Und indem er sie aus dem Gesetz und den Propheten
tröstete und sie zudem an die Kämpfe erinnerte, die sie bestanden hatten,
machte er sie noch mutiger.
10 Und nachdem er ihren Mut entflammt hatte, gab er ihnen
seine Befehle, wobei er zugleich die Treulosigkeit der Heiden und ihren Bruch
der Eide aufzeigte.
11 Er rüstete einen jeden von ihnen nicht so sehr mit der
Sicherheit von Schilden und Lanzen als mit der Ermutigung durch gute Worte, und
indem er zudem einen glaubwürdigen Traum erzählte, erfreute er alle über die
Maßen.
12 Das Gesicht aber war folgendes: Onias,
der gewesene Hohepriester, ein edler und guter Mann, bescheiden im Umgang,
sanft in seiner Art, von geziemender Rede und von Kindheit an in allem geübt,
was zur Tugend gehört, streckte die Hände aus und betete für die ganze
Gemeinschaft der Juden.
13 Danach sei in gleicher Weise ein Mann erschienen,
ausgezeichnet durch graues Haar und Würde, und wunderbar und höchst prächtig
sei die Hoheit um ihn gewesen.
14 Onias aber habe geantwortet
und gesagt: „Dies ist der Bruderfreund, der viel für das Volk und die heilige Stadt betet, Jeremia, der Prophet Gottes.“
15 Jeremia aber habe die Rechte ausgestreckt und dem Judas
ein goldenes Schwert übergeben, und bei der Übergabe habe er so gesprochen:
16 „Nimm das heilige Schwert als Gabe von Gott, mit dem du
die Widersacher zerschmettern wirst.“
17 Ermutigt durch die Worte des Judas, die sehr schön waren
und imstande, zur Tugend anzuspornen und die Seelen der Jungen aufzurichten,
beschlossen sie, kein Lager zu schlagen, sondern tapfer anzugreifen und mit
aller Mannhaftigkeit im Handgemenge die Sache zu entscheiden, weil die Stadt,
das Heiligtum und der Tempel in Gefahr waren.
18 Denn die Sorge um Frauen und Kinder, dazu um Brüder und
Verwandte, lag ihnen weniger am Herzen; die größte und erste Furcht aber galt
dem geheiligten Tempel.
19 Auch für die in der Stadt Eingeschlossenen war die Angst
nicht gering, da sie über den Kampf auf freiem Feld beunruhigt waren.
20 Und als schon alle die bevorstehende Entscheidung
erwarteten und die Feinde sich schon näherten und das Heer aufgestellt war und
die Tiere an geeigneter Stelle postiert und die Reiterei an den Flügeln
geordnet war,
21 da erblickte der Makkabäer das Herannahen der Massen,
die mannigfaltige Ausrüstung der Waffen und die Wildheit der Tiere, streckte
die Hände zum Himmel und rief den wundertätigen Herrn an, den Allschauenden,
wissend, dass der Sieg nicht durch Waffen kommt, sondern dass er, wie es ihm
gut scheint, den Würdigen den Sieg verschafft.
22 Er sprach aber in seiner Anrufung folgendermaßen: „Du,
Herr, hast deinen Engel gesandt zur Zeit Hiskias, des Königs von Judäa, und er
erschlug aus dem Lager Sanheribs
hundertfünfundachtzigtausend Mann.
23 So sende auch jetzt, Herrscher der Himmel, einen guten
Engel vor uns her zu Furcht und Zittern.
24 Durch die Größe deines Armes mögen die erschreckt
werden, die mit Lästerung gegen dein heiliges Volk gekommen sind.“ Und damit
schloss er.
25 Die Leute Nikanors rückten mit
Trompeten und Schlachtgesängen heran. 26 Die Leute des Judas aber trafen unter
Anrufung und Gebeten auf die Feinde
27 und streckten, mit den Händen kämpfend, mit den Herzen
aber zu Gott betend, nicht weniger als fünfunddreißigtausend nieder,
hocherfreut über die Erscheinung Gottes.
28 Als sie aber vom Kampf zurückkehrten und mit Freude
abzogen, erkannten sie den Nikanor, der in voller Rüstung gefallen war.
29 Da erhob sich Geschrei und Getümmel, und sie priesen den
Herrscher in der Sprache der Väter.
30 Und der, der mit Leib und Seele ganz der erste
Vorkämpfer für seine Mitbürger war, der das Wohlwollen seiner Jugend gegenüber
seinen Volksgenossen bewahrt hatte, befahl, den Kopf des Nikanor abzuschlagen
und die Hand samt dem Arm nach Jerusalem zu bringen.
31 Dort angekommen, rief er seine Volksgenossen zusammen,
stellte die Priester vor den Altar und ließ die Leute aus der Burg holen.
32 Und er zeigte ihnen den Kopf des ruchlosen Nikanor und
die Hand des Lästerers, die dieser gegen das heilige Haus des Allmächtigen ausgestreckt
und hochmütig geprahlt hatte,
33 und die Zunge des gottlosen Nikanor schnitt er heraus
und sagte, er werde sie stückweise den Vögeln geben, den Lohn seines
Unverstandes aber gegenüber dem Tempel aufhängen.
34 Alle aber priesen zum Himmel hin den erschienenen Herrn
und sprachen: „Gepriesen sei der, der seine Stätte unbefleckt bewahrt hat.“
35 Den Kopf des Nikanor aber hängte er an der Burg auf,
allen sichtbar und offenkundig als Zeichen der Hilfe des Herrn.
36 Und alle beschlossen durch gemeinsamen Beschluss, diesen
Tag keinesfalls unbezeichnet zu lassen, sondern den dreizehnten des zwölften
Monats, er heißt in der syrischen Sprache „Adar“ ,als Festtag zu halten, einen
Tag vor dem Mordechai-Tag.
37 Da nun die Ereignisse um Nikanor so verlaufen sind und
seit jenen Zeiten die Stadt in der Gewalt der Hebräer war, will auch ich hier
meine Erzählung beenden.
38 Und wenn sie gut
und treffend abgefasst ist, so war das auch mein Wunsch; wenn aber dürftig und
mittelmäßig, so war dies das, was mir erreichbar war.
39 Denn wie es unbekömmlich ist, Wein allein zu trinken,
und ebenso wiederum Wasser, wie aber Wein, mit Wasser gemischt, angenehm ist
und eine wohltuende Wirkung hervorbringt, so erfreut auch die kunstvolle
Gestaltung der Rede die Ohren derer, die die Erzählung lesen. Hier aber soll
das Ende sein.